Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various

1879. 8.

Hofgeissmarsche Denare. Von Weingärtner. -- Nachträge zu den Kupfermünzen Westfalens. Von Dr. Wm. Freudenthal. -- Angeblicher Gulden eines Prinzen von Japonien 1683. Von Wolff. -- Die Hannoversche Münze. Bischöflich Augsburgische Münzen des XII. Jahrhundts. Von W. Schratz. -- Ergänzungen zu Weil’s Verzeichnisse Brandenburg-Preussischer Münzbeamte. Von Wolff. -- Literatur. -- Kaufgesuche etc. etc. /Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde./ Herausgeg. von dem /Verein für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens/ durch dessen Directoren. Fünfunddreißigster u. sechsunddreißigster Band. Mit 1 lithogr. Karte. Münster, 1877 u. 78. 8. Die Gilden binnen Münster i. W., ein Beitrag zum Gildewesen in Deutschland. Von Dr. Th. Tophoff. -- Vereinschronik. -- Beschreibung des vormaligen Bisthums Minden. Von L. A. Th. Holscher. -- Der Solling. Von Dr. Kampschulte. -- Ausgegangene Ortschaften und Ansiedelungen in der Umgebung der Stadt Salzkotten. Von E. von Sobbe. -- Die „Ellenden-Bruderschaft“ zu Paderborn. Von W. E. Giefers. -- Consules Civitatis Huxariensis. Gesammelt von H. Dürre. -- Die Humanisten Joseph Horlenius und Jacob Montanus. Von Dr. D. Reichling. -- Zwölf Zeitungen aus dem dreißigj. Kriege. Herausgeg. von J. B. Nordhoff. -- Münsterische Chronik oder Begebenheiten im siebenjähr. Kriege in Münster. -- Der Badeort Driburg. Von W. E. Giefers. -- Necrologium Herisiense. Von Dr. Jul. Evelt. -- Geschichte des Cistercienserinnen-Klosters Gaukirch zu Paderborn während der ersten Jahrhunderte seines Bestehens. Von A. Bieling. -- Kloster Brenkhausen. Von Dr. A. Koch. -- Woher hatte das vormalige Dominicanerinnen-Kloster „Galiläa“ seinen Namen.... Von Dr. Jul. Evelt. -- Eresburg, Irmensäule, Bullerborn. Von W. E. Giefers. -- Ueber die angebliche Ordnungslosigkeit und Lückenhaftigkeit der Traditiones Corbeienses. Von Dr. H. Dürre. -- Die Lage des Schlachtfeldes von Idistaviso. Von R. Wagener. -- Literar. Anzeigen. /Blätter zur näheren Kunde Westfalens./ Organ des /histor. Vereins für das Herzogthum Westfalen/. Herausg. durch Dr. K. Tücking. XVI. Jahrg. 1878. 1.-4. Heft. Meschede. 8. Die Familie von Ohle und ihre Stuhlherrngüter in der Freigrafschaft Hundeme. Von Brüming. -- Das Lehngut Bödefeld. Von Dr. Tücking. /Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom /histor. Vereine des Kantons Thurgau/. Neunzehntes Heft. Frauenfeld, 1879. 8. Vereinsangelegenheiten. -- Beiträge zur thurg. Landes- und Kirchengeschichte aus der Reformationszeit. Mitgeth. v. H. S. Sulzberger. -- Erlebnisse des Pfarrers von Schlatt bei Dießenhofen, Melchior Kirchhoffer, in den Kriegsjahren 1798-1800. Mitgetheilt v. Pfr. Schmid. /Anzeiger für schweizerische Geschichte./ Herausgegeben von der /allgemeinen geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz/. Neunter Jahrgang. (Neue Folge.) Nr. 1 u. 2. 1879. Solothurn, 1879. 8. Zur ältesten alamannischen Geschichte. 2. Kämpfe in der Zeit der Kaiser Valerianus und Gallienus. Von Dr. G. Meyer von Knonau. -- Thüring Frickart und Niklaus Manuel, Großvater und Enkel. Von Dr. G. F. Rettig. -- Unedierte Chroniken. Von Dr. E. v. Muralt. -- Ein Stauffacher als kaiserlicher Gesandter in der Schweiz. Von Dr. Th. von Liebenau. -- Das Album Johann Zollikofer’s zu St. Gallen. Von Dr. Alfred Stern. -- Haduwig, die Gemahlin, Eppo’s von Nellenburg. Von Joh. Meyer. -- Zur Beleuchtung des Freiheitsbriefes König Heinrich’s VII. für Uri, v. 26. Mai 1231. Von Dr. G. Meyer v. Knonau. -- Niklas Manuel und Thüring Frickart. Von Dr. J. Bächtold. -- La régiquin. Von Jos. Schneuwly. -- Grabschriften der in Luggarus verstorbenen Landvögte. Von Emil Motta. -- Fälschung von Schweizer Münzen im Schloß Chillon. Von Dr. Th. von Liebenau. -- Der friedsam Bär in’s Schultheißen Hans Hug Täschen. Von dems. /Mittheilungen der antiquarischen Gesellschaft/ (der Gesellschaft für vaterländische Alterthümer) in Zürich. Band XX, Abth. I, Heft 2. (XLIII). Zürich, 1879. 4. Mit 9 Tafeln. Die Glasgemälde in der Rosette der Kathedrale von Lausanne. Ein Bild der Welt aus dem XIII. Jahrh. Von J. Rudolf Rahn. /Mémoires et documents/ publiés par /la Société d’histoire de la Suisse romande./ Tome XXXIV. /Mélanges./ Seconde Livraison. Lausanne, 1879. 8. Notice biographique sur Louis de Charrière. Par G. de Charrière. -- Notice sur le milliaire de Vich. Par Ch. Morel. -- Histoire monétaire de Lausanne (1394-1476). Par H. Morel-Fatio. Nécrologue de la Chartreuse de la Lance, précédé d’une notice historique et suivi de documents. Publié par l’abbé J. Gremaud. /La rose de la cathédrale de Lausanne/ par Rahn. -- Mémoire traduit de l’Allemand par William Cart. 36 Seiten und 9 lithogr. Tafeln. /Mémoires et documents publiés par la société d’histoire et d’archéologie de Genève./ Tome I, cahier 3. Genève et Paris. 1878. 4. Peinture, de la Saint-Barthelemy par un artiste contemporain comparée avec les documents historiques par Henri Bordier. 36 Stn. mit 2 Tafeln. Vermischte Nachrichten. 58) In einer Torfgrube bei Grenaa in Jütland wurde Mitte vorigen Monats beim Torfgraben ein wohlerhaltener /Leichnam einer jungen Frau/ gefunden, der jedenfalls seit der Bronzezeit hier gelegen. Die Leiche wurde in Gegenwart des Hardevogtes und des Distriktsarztes sehr sorgfältig aufgenommen und auf dem Kirchhofe zu Oerum beerdigt. Später ist dieselbe jedoch auf Veranlassung des altnordischen Museums wieder ausgegraben und per Dampfschiff nach Kopenhagen gesandt worden. (Nordd. Allg. Zeit., Nr. 222.) 59) Auf dem Lindenhof in Zürich wurde dieser Tage ein beträchtlicher Münzfund von mehreren goldenen und einigen hundert Silbermünzen aufgehoben. Fast alle Münzen zeigen die Bildnisse verschiedener Kaiser und deren Gemahlinnen des 2. Jahrhunderts (Hadrian, Antoninus Pius, Marc Aurel, Verus, Commodus etc.) und sind sehr gut erhalten. (St.-Anz. f. Württemb., Nr. 133.) 60) Das Dorf /Mariaweiler/ bei /Düren/ hat sich als ein großes /Trümmerfeld römischer Ansiedelungen/ erwiesen. Man schreibt über den Erfolg der bisherigen, fünftägigen Ausgrabungen der „Dürener Volkszeitung“ vom 17. Mai: Von der römischen Villa in Mariaweiler ist jetzt so viel bloßgelegt, daß sich die Baderäume mit einiger Sicherheit bestimmen lassen: das Zimmer fürs Schwitzbad (tepidarium), fürs warme Bad (caldarium) und fürs kalte Bad (frigidarium). An das der Straße zugekehrte, nördliche Zimmer schließt sich westlich das zuerst aufgefundene, halbrunde Badebecken, zu welchem zwei Treppenstufen hinunterführen. Südlich nach der neuen Kirche zu ist ein kleiner Theil des Heizraumes (praefurnium) mit dem Ofen (hypocausis) bloßgelegt. Sehr kenntlich liegen die Reste der Luftheizung vor Augen. Zunächst steht noch ein großes Stück des hohen, breiten Kanals, welcher die erwärmte Luft aus dem Feuerungsraume in das östliche Badezimmer führte. Sowohl in diesem, wie in dem westlich daranliegenden, mit einer halbrunden Nische abschließenden Zimmer bedecken die Trümmer der meist aus runden, theilweise auch aus grauen quadratischen Ziegeln aufgemauerten, etwa 1-1/2 Fuß hohen Säulchen in regelmäßigen Abständen von etwa 1-1/2 Fuß den Boden. Sie trugen den zweiten Boden, so daß die aus der hypocausis in den Kanal einströmende warme Luft in diesem Souterrain (suspensurae) zwischen den Säulen sich verbreiten konnte. Von hier stieg dieselbe alsdann durch thönerne Röhren (tubi) an den Wänden in die Badezellen hinein. Das halbrunde Becken und die Treppe in dem nördlichen Zimmer ist in allen Ecken, also rund um den Boden und überall da, wo zwei Flächen sonst fast zusammenstoßen, mit Rundstäben ausgelegt, ein Verfahren, aus dem wir heut zu Tage wohl noch etwas für unsere Cementarbeiten lernen können. Neben dem Becken ist noch ein Streifen des Bodens mit Marmor belegt. Die Inschrift, welche in der halbrunden Nische des westlichen Zimmers (also von dem Becken aus südlich) unter Trümmern von Hohlziegeln, Thonröhren und Wandbekleidungsplatten aufgefunden wurde, steht auf einer Ziegelplatte, die ebenfalls ein Theil eines Hohlziegels oder einer Wandplatte zu sein scheint. Die Platte ist etwa 11 zu 23 cm. groß. Die oberste Zeile zeigt mit unverkennbarer Deutlichkeit das Datum des heutigen Tages, den 17. Mai: XVI. K(al.) Iunias. Der übrige Theil der Inschrift ist noch nicht gelöst; er ist im Abdruck an einen Spezialforscher auf diesem Gebiete abgesandt worden. Vor vollständiger Reinigung der Platte schien sie auf das Jahr XI. des Augustus, also 19 v. Chr., hinzudeuten. Sollen wir vor sicherer Lösung eine neue Vermuthung aussprechen, so scheint uns ein Hinweis auf die 11. Legion vorzuliegen. Das würde wol die 70er Jahre nach Christus ergeben. Denn als in den Jahren nach 68-70 in den Wirren unter Galba, Otho und Vitellius die germanischen Legionen gelitten hatten und Claudius Civilis mit seinen aufgestandenen Batavern gerade hier in Düren die römisch gesinnten Ubier geschlagen, wurde die 11. Legion hierher zur Unterstützung gesandt, in späteren Zeiten aber wieder aus unserer Gegend zurückgezogen. Bemerkenswerth ist wohl noch, daß die Bäder zwar am Abhange des Hügels liegen, jedoch nicht (nach Vitruvs Vorschrift) den Osten des Hauses eingenommen haben. Die ausgegrabenen Räume werden demnächst gesäubert und wie die Inschrift photographiert. Nachzutragen ist, daß in einem östlich von den Baderäumen theilweise aufgedeckten Zimmer die rothen Wände durch weiße Striche in Vierecke abgetheilt sind, daß die aufgefundenen römischen Münzen bis ins 4. Jahrhundert reichen, daß sich unter den vielen Scherben auch zwei erhaltene Thongefäße, ein Krug und eine Schüssel, fanden. Auf der „Heidenburg“, wo seit vorgestern gegraben wird, ist bereits römisches Mauerwerk bloßgelegt, auch fanden sich Lanzenspitzen, ein Schlüssel u. s. w. Die dort gefundenen römischen Münzen sind ebenfalls mit Edelrost (patina) über und über bedeckt. (D. Reichsanz., Nr. 122.) 61) /Trier/, 28. Mai. Gegen Ende der vorigen Woche ist, wie die „Tr. Ztg.“ mittheilt, in einem Grundstücke am Olewiger Wege, wo in der Nähe des tiefen Bahneinschnittes wegen einer baulichen Anlage eben eine bedeutende Bodenausschachtung stattfindet, ein eigenthümlicher antiker Fund gemacht worden. In einer Lehmschichte fand man daselbst, und zwar in einer mit schwärzlicher Erde gefüllten Mulde, eine bedeutende Zahl römischer Münzformen aus gebranntem Thon. Man schätzt die Gesammtzahl der Formen auf 800 bis 900 Stück. Leider sind manche der Formen zerstreut worden, in verschiedene Hände gelangt, oder gar nicht sorgsam aufgelesen worden, so daß viele derselben mit dem Schutt weggekarrt worden sind. Die qu. Formen beziehen sich auf verschiedene römische Kaisermünzen und haben vermuthlich zu einer großartigen Falschmünzerei gedient. Die einzelnen Formen (Thonplättchen von der annähernden Größe eines Markstückes und der Dicke eines Zweimarkstückes) waren beim Gebrauch vielleicht in der Zahl von 20, 30, 40 Stück zu einer Rolle aneinandergereiht. Ueber diese Rolle zog sich eine Rinne hin und mit dieser korrespondierte zwischen je zwei Thonplättchen ein Gießloch. Indem nun das flüssige Metall in die Rinne gegossen ward, füllten sich durch den einen Guß die Hohlräume aller aneinandergereihten Formen, so daß sich mit einem Male eine ganze Anzahl von Münzen bildete. Jedes Thonplättchen besitzt auf der einen Seite die Matrize für die Aversseite einer Münze und auf der andern Seite die Reversseite für eine zweite Münze; nur die die beiden Enden der Rolle bildenden Thonförmchen haben blos auf der Innenseite die Vertiefung einer Münze und sind auf der Außenseite platt. Der ganze Fund bedarf selbstredend noch eines gründlichen Studiums, bevor über dessen volle Bedeutung ein Urtheil abgegeben werden kann. (Nordd. Allg. Zeit., Nr. 212.) 62) Die Hessische Landeszeitung Nr. 131 bringt einen Schmerzensschrei, daß die unweit des Schlosses, wo soeben die allgemein befriedigende Ausstellung von Plänen, Ansichten u. s. w. des „alten Mainz“ stattgefunden, die aufgedeckten Reste der romanischen Kirche des Petersstiftes nicht aufgenommen und, so weit möglich, conserviert werden, was freilich im Ganzen nicht wohl angehen wird. Auffallend wäre es jedoch in der That im höchsten Grade, wenn gerade in Mainz Steinsärge, die Grabsteine des Dechanten Johann von Cassel, des Scholasters Johann Wasmod aus dem 15. Jhdt. nicht sollten geborgen werden können, und wohl möchten wir glauben, daß nur dringende Gründe eine einstweilige Verzögerung veranlaßt haben, die freilich sehr bedauerlich wäre, wenn Beschädigungen inzwischen stattgefunden haben. 63) Die herzogl. Braunschweig’sche Regierung hat sich im letzten Jahrzehnte um die Restauration der, theilweise starkbeschädigten, großen mittelalterlichen Kirchen- und Klosterbauten des Landes großes Verdienst erworben. Der Dom zu Braunschweig, die Kirchen zu Marienberg bei Helmstädt, Königslutter, Riddagshausen u. a. sind neu verjüngt worden. Nunmehr soll auch die Restauration der Kirche zu /Supplingenburg/ in Angriff genommen werden, welcher das Schicksal des Abbruches schon lange gedroht hatte, da sie nicht nur, mitten in einer Domäne stehend, die Oekonomie behindert, in ihrer Größe außer jedem Verhältnisse zur kleinen Gemeinde steht, sondern auch derart baufällig ist, daß in der That die Frage schwerer zu beantworten ist, welche Ursachen ein Bauwerk in einen solchen Grad des Verfalles bringen können, als welche Ursachen dasselbe noch vor vollständigem Zusammensturze hindern. So hatten auch schon früher die Techniker wiederholt die Unmöglichkeit der Erhaltung des Bauwerkes hervorgehoben, bis die jetzige Baudirektion, deren warmem Interesse die Initiative bei fast allen Restaurationen zu danken ist, den Muth fand, auch diese Arbeit in Angriff zu nehmen, zu der in dankenswerther Weise Regierung und Stände die nöthigen, nicht unbeträchtlichen Mittel verwilligt haben. Freilich wird die Restauration großentheils einem Neubau gleichkommen, da offenbar nur das Ausweichen der Fundamente die Veranlassung zu den Hauptschäden geworden sein kann. 64) /Metz/, 7. Juni. Die /Restaurationsarbeiten an der hiesigen Kathedrale/ sind jetzt so weit fortgeschritten, daß die Renovierung der je 400 qm. messenden Hauptfenster in Angriff genommen werden konnte. Die in spätgothischem Stil ausgeführten Glasgemälde von hohem Kunstwerthe werden gegenwärtig herausgenommen, um in Aachen von künstlerischer Hand renoviert zu werden. (D. Reichsanz., Nr. 135.) 65) Abermals ist ein hochmerkwürdiges Bauwerk in seinem Bestande bedroht, das Rathhaus zu Alsfeld in Hessen, jener malerisch, technisch und historisch äußerst interessante Fachwerksbau, der, ohne baufällig zu sein, und trotzdem er mit einem Aufwande von etwa fünf tausend Mark wieder vorzüglich in den Stand gesetzt werden könnte, nach einem Beschlusse des Gemeinderathes niedergerissen werden soll. Einstweilen ist durch den Kreisrath Einspruch erhoben und die Angelegenheit dem Provinzialausschusse vorgelegt worden; ein Aufruf an die Bürgerschaft Alsfelds ist veröffentlicht worden, und so ist zu hoffen, daß die Gefahr noch abgewendet wird. Es wäre in der That zu schlimm, wenn fort und fort die Zahl der Opfer, welche heutige Barbarei verlangt, um solche köstliche Perlen vermehrt werden sollte, weil die gerade zufällig regierenden Gemeinderäthe kein Verständniß haben. Hat nicht jeder Fremde mit Interesse das alte Gebäude betrachtet? Haben nicht Maler und Architekten dasselbe so oft gezeichnet? Sollten die Herren in Alsfeld nicht glauben, daß gerade die Künstler zu beurtheilen wissen, was schön ist? Wollen sie mit Gewalt den Vorwurf der Barbarei und des Mangels an Pietät auf sich laden? 66) Ueber die /Berner Burgunderteppiche/ schreibt die „N. Zürch. Ztg.“ vom 19. d. Mts.: Bekanntlich wurde vor mehreren Jahren die Restauration der unter dem Namen „Burgunderteppiche“ bekannten, aus der Beute der Schlachten bei Grandson und Murten herrührenden Zelttapeten Karls des Kühnen beschlossen, da die Trophäen durch die Länge der Zeit sehr gelitten hatten und zu besorgen stand, es möchte durch Zuwarten und den damit verbundenen weiteren Zerfall der kunstvollen Gewebe die Zerstörung der Zeichnungen solche Fortschritte machen, daß sie theilweise unkenntlich würden. Diese Tapeten stammen ihrem Gewebe nach aus Arras, an der Grenze der industriellen Flandern, wo sie schon zur Zeit Philipps des Guten von Burgund, Karls Vater, angefertigt worden sein mögen. Sie sind en haute lisse, in Wolle, mit Gold und Silber durchwirkt, stückweise gewoben und zusammengesetzt und zierten einst höchst wahrscheinlich das Innere des hölzernen Prunkzeltes des Herzogs bei Murten. Ihre Darstellungen sind religiösen, historischen und heraldischen Inhalts. Den im Laufe der letzten Jahre reparierten drei Tapeten hat sich nun eine vierte angeschlossen, die, vollständig restauriert, vor mehreren Tagen das Atelier der Frau M. Carey-Bay verließ und von einer Kommission übernommen wurde, die die Arbeit zu beaugenscheinigen und zu beurtheilen hat. Dieser letztere Teppich stellt die Anbetung der drei Könige vor dem Jesuskinde dar, mit dem Spruche des Engels: „Non redietis ad Heroden“ (Kehrt nicht zu Herodes zurück). Obwohl die Tapete eine der kleineren ist, -- sie mißt 13’ in der Länge und 12’ in der Breite -- und auch die Havarien relativ nicht so schwer waren, als die an anderen Tapeten, erforderte die Restauration dennoch anderthalb Jahre Zeit. (D. Reichsanz., Nr. 118.) 67) Vor Kurzem wurde in der Nähe von /Görlitz/ bei Königshayn ein anscheinend nicht bedeutender, wol nur theilweise in meine Hände gelangter Münzfund gemacht, der zur Hälfte aus Wendenpfennigen, wie sie im nordöstlichen Deutschland, der Lausitz etc. häufig vorkommen, in etwa 14 Stempelverschiedenheiten bestand. Die andere Hälfte enthielt eine geringe Anzahl recht gut erhaltener Denare Herzogs Brzetislaw I. von Böhmen (1037-1055) und zwar die im Katalog Kilian unter Nr. 105, 107, 108, 111, 120 und 199 verzeichneten Arten; ferner einige Denare der Könige Stephan I. und Andreas I. von Ungarn und einen Denar des Erzbischofs Pilgrim von Köln. Mit Rücksicht auf die Münzen Andreas I. (1046-1060) dürfte die Vergrabung der Münzen in der letzten Hälfte des