Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various

8. 24 Stn. u. 2 Tafeln.

Noch wird es nöthig sein, eine große Anzahl von Zweigen der Kultur in ihrem Entwickelungsgange zu verfolgen, ehe das Gesammtbild, welches uns die Kulturgeschichte bieten kann, auch in allen einzelnen Zügen richtig ist. Wir kommen mitunter auf Gebiete, die uns zu unscheinbar sind, als daß man glauben sollte, daß auch da ein Entwicklungsgang stattgefunden habe, daß dessen Erforschung interessant sei, und daß Resultate für die gesammte Kulturgeschichte sich ergeben. Ein solches kleines Gebiet hat der Verfasser durch diese Beiträge zu erhellen gesucht. Es ist ihm sicher auch gelungen, beim Leser das Interesse für diese kleinen unscheinbaren Denkmäler des Waffenwesens zu erwecken, die trotz ihrer Unscheinbarkeit so oft den Erfolg der Schlachten bewirkt haben mögen. Es geht daraus hervor, daß auch hier ein Entwicklungsgang stattgefunden, der mit der Gesammtgeschichte des Waffenwesens im Zusammenhange steht; daß auch dieses kleine Gebiet der Erforschung werth ist, daß es aber nicht angeht, heute schon ein abschließendes Resultat zu erwarten, dies vielmehr erst nach einer Reihe von Arbeiten möglich ist, zu denen der Verfasser um so mehr anregen wollte, als diese kleinen Denkmäler bisher sehr stiefmütterlich behandelt wurden. Insbesondere weist der Verfasser auf die Nothwendigkeit hin, bei jedem Stücke festzustellen, auf welchem Schlachtfelde es gefunden, und ob nur eine oder mehrere Schlachten in verschiedener Zeit dort stattgefunden, welche Gegner sich dort getroffen haben, um daraus feste Schlüsse ziehen zu können. 10) /Leben und Kunstleistungen des Malers und Kupferstechers Georg Philipp Rugendas und seiner Nachkommen./ Von /Heinrich Graf Stillfried/. Berlin, Carl Heynemann’s Verlag. 1879. 8. 184 Stn. Unter den Kupferstechern des 17. und 18. Jahrh. nimmt der Augsburger Meister, dessen Leben und Werke den Inhalt des vorliegenden Buches bilden, eine hervorragende Stelle umsomehr ein, als er Lehrer des geschätzten Elias Ridinger und auf dessen Entwickelung von hervorragendem Einflusse war. Er war Schlachtenmaler. Seine Gemälde scheinen jedoch zu seiner Zeit wenig Anerkennung gefunden zu haben, so daß er um so thätiger auf dem Gebiete des Kupferstichs war, insbesondere das Gebiet der Schwarzkunst pflegte, welches damals in Augsburg eine Reihe von Vertretern hatte. Seine Söhne und Enkel folgten ihm auf dem Gebiete der Kunst, und erst vor wenigen Jahren ist der letzte Vertreter dieser Künstlerfamilie gestorben. Wie Ridinger den Jägern und Jagdfreunden, ist der alte Rugendas und seine Familie den Freunden des Kriegshandwerkes lieb und werth als der treue Schilderer des Kriegswesens, der uns ins Getümmel der Schlachten, wie ins Lagerleben führt, und dessen lebendige Darstellungen die malerische Schönheit auch der grassesten Scene uns zeigen. Die große Zahl der Blätter des ersten Meisters und seiner Nachkommen ist hier aufgezeichnet, und zwar zunächst 36 Kupferstiche und Radierungen des Meisters, sodann 125 Blätter anderer Stecher nach seiner Komposition, ferner gegen 100 Stiche der Nachkommen, 126 Schwarzkunstblätter des Meisters, 204 Schwarzkunstblätter anderer Meister nach seiner Composition; einige Schwarzkunstblätter der Nachkommen bilden den Schluß. Daß das Verzeichniß nicht absolut vollständig, geht daraus hervor, daß noch ein Nachtrag sich schon direkt dem Buche anschließen konnte. Die Anordnung ist derart getroffen, daß der Sammler seine Blätter darnach ordnen kann. Dadurch ist das Buch sehr dankenswerth geworden. Die Blätter sind genau beschrieben, nicht zu weitläufig und doch erschöpfend, so daß bei der Katalogisierung einer Sammlung statt weitläufiger Beschreibung stets die Nummernangabe des Stillfried’schen Buches genügt. Welch große Erleichterung dies ist, weiß jeder Verwalter einer Sammlung und wird deshalb dem Verfasser Dank wissen. So kann das Buch in keiner Handbibliothek einer Kupferstichsammlung fehlen. 11) /Der Formenschatz/, eine Quelle der Belehrung und Anregung ...... herausgegeben von /Georg Hirth/. 1879. Heft I-XI. Verlag von G. Hirth in Leipzig. Unter dem Titel der Formenschatz der Renaissance hatte der Herausgeber 20 Hefte mit 282 Blättern Abbildungen veröffentlicht, welche vornehmlich die Ornamentstiche und Holzschnitte der Meister des 16. Jahrh. wiedergeben. Derselbe hatte dabei vorzugsweise die Absicht, dem heutigen Kunstgewerbe die große Fülle jener Motive vor Augen zu führen, welche einst die Künstler des 16. Jahrh. für die Gewerbtreibenden ihrer Zeit geschaffen und die so wesentlich zur Blüthe des Kunstgewerbes im