Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various

1878. 8.

/Levensberichten der afgestorbene Medeleden/ van de Maatschapij etc. Bijlage tot de Handelingen van 1878. Leiden, E. J. Brill. 1878. 8. /Catalogus der Bibliothek/ van de Maatschapij etc. Derde Gedeelte. Nederlandsch Tooneel. Leiden, E. J. Brill. 1877. 8. /Finska fornminnesföreningens tidskrift./ Suomen muinaismuisto-yhtiön aikakauskirja. IV. Helsingissae, 1879. 8. Friherre F. Linders samling af stenredskap på Svartå Bruk och en Öfversigt af Finlands förhistoriska perioder. Literatur. _Neu erschienene Werke._ 12) /Entwürfe für Goldschmiede von Johann Sibmacher./ (Aus dem Jahre 1590). Mit einem Vorwort von Dr. /Otto von Schorn/. Herausgegeben vom Bayrischen Gewerbemuseum in Nürnberg. Nürnberg, Friedrich Korn. 4. 8 Stn. und 12 Tafeln. Einer der fruchtbarsten Kupferstecher vom Ende des 16. und Beginn des 17. Jhdts. war Joh. Sibmacher, vorzugsweise bekannt durch seine Wappenbücher und seine Musterbücher für Stickereien und Spitzen. Manche seiner Blätter kommen häufig genug vor, andere sind wiederholt neu aufgelegt; einzelne aber sehr selten; noch immer tauchen unbekannte auf, und noch ist kein vollständiges Verzeichniß seiner Arbeiten aufgestellt. So kennt selbst Andresen die Folge der 12 Blätter nicht, die vor wenigen Jahren das bayrische Gewerbemuseum, zusammengebunden mit einer Reihe ähnlicher Blätter, aus dem Nachlasse eines Nürnberger Goldschmiedes erworben, welche aus einem Titelblatte vom Jahre 1599 (merkwürdiger Weise sagt sowohl der Titel der Publikation, als der Text, dass sie vom Jahre 1590 seien, während doch ganz deutlich MDIC zu lesen ist) und 11 Blättern mit den Körpern einer Kanne und verschiedener Pokale und Becher im Stil der damaligen Zeit besteht. Auch sonst scheinen Blätter, welche kein Zeichen des Künstlers tragen, der nur auf dem Titelblatte genannt ist, nicht bekannt, mindestens nicht als Werke unseres Meisters erkannt zu sein. Es ist daher sehr dankenswerth, daß das bayrische Gewerbemuseum die vorliegende Reproduktion der Blätter, die in etwas verjüngtem Maßstabe die Originale treu wiedergeben, hat herstellen lassen, wozu Dr. von Schorn alles, was an Nachrichten über des Meisters Leben und Werke theils bisher bekannt, theils zu erlangen war, zusammengestellt hat. Ob übrigens der Meister auch diese Blätter selbst erfunden hat? Auf dem Titelblatte bezeichnet er sich nur als Radierer. Er war so vielseitig und auf so verschiedenen Gebieten thätig, manche seiner Blätter, insbesondere Landkarten und Schlachten, sind derart handwerksmäßig, daß wir ihn als einen nach Brod arbeitenden handwerklichen Stecher ansehen müssen, der alles machte, was Aussicht auf Absatz hatte. Das geistige Eigenthum war damals nicht gesetzlich geschützt und der Raub im 16. Jhdt. beinahe organisiert. Sollte er nicht, wie er Ducerceau nachgestochen hat, auch irgend einen deutschen Goldschmied nachgestochen haben? Die Blätter zeigen sowohl im Entwurfe, wie in der, natürlich geometrisch nicht ganz richtigen, Art, die Ornamente auf die in Wirklichkeit runden Flächen zu projicieren, solch /praktisches/ Talent, daß wir nicht glauben, daß ein Anderer als ein Goldschmied sie entworfen habe. 13) /Festschrift zur Eröffnung des Kunstmuseums in Bern/ 1879. Beiträge zur Geschichte der Kunst und des Kunsthandwerks in Bern im 15., 16. und 17. Jahrhundert. Herausgegeben von der bernischen Künstlergesellschaft zur Eröffnung des Kunstmuseums. Bern, J. Dalp’sche Buchhandlung (K. Schmid.) 1879. 4. 6 und 110 Stn. mit Holzschnitten und 4 Tafeln. Die Eröffnung des Kunstmuseums zu Bern gab der Künstlergesellschaft Veranlassung, die vorliegenden Beiträge zur Geschichte der Kunst und des Kunsthandwerkes in Bern vom 14. bis ungefähr zur Mitte des 17. Jahrhunderts der Oeffentlichkeit zu übergeben. „Mit diesen, eine Masse unveröffentlichten Archivstoffes enthaltenden Notizen beabsichtigt sie einerseits die bisher ziemlich ignorierte künstlerische und kunstgewerbliche Thätigkeit des Landes dem gebildeten Publikum zur Kenntniß zu bringen, anderseits die Aufmerksamkeit auf die noch vorhandenen interessanten älteren Kunstwerke zu lenken, zu sorgfältiger Erhaltung derselben zu ermuntern und auf das neue Museum, als die geeigneste Aufbewahrungsstelle derselben, hinzuweisen.“ Es sind sechs Aufsätze, deren erster vom Glasmaler J. H. Müller, der in bekannter trefflicher Weise in der Art der Alten neu schafft, die ältesten Glasgemälde der Kirchen des Kantons Bern (1300-1530) behandelt und solche zu Münchenbuchsee, Könitz und Blumenstein als kostbare Werke des 14., des Vinzenzmünsters zu Bern und einige zu Hilterfingen als solche des 15., und Fenster zu Büren, Lauperswyl und Kirchberg als solche vor Beginn des 16. Jhdts. eingehend behandelt. Die treffliche Darstellung der zwei Fenster aus Könitz lässt uns ganz hervorragende Meisterwerke erkennen. Im zweiten Aufsätze behandelt Trächsel die allgemeinen Verhältnisse und die Kunstverhältnisse Berns im 15. und Beginn des 16. Jhdts. unter Mittheilung einer großen Zahl aus Archivalien, namentlich Rechnungen gezogener Notizen; insbesondere wird die Geschichte der Glasmalerei bis zur Mitte des 17. Jhdts. durch viele Auszüge aus Urkunden beleuchtet; die nächste Arbeit ist dem Nicolaus Manuel gewidmet und ein Entwurf zu einem Glasgemälde reproduciert. Hierauf bringt Blösch Auszüge aus den bernischen Staatsrechnungen von 1550-82. Dann behandelt Howald die Brunnenstandbilder der Stadt Bern, worauf Trächsel wieder einen Glasmaler, Hans Jacob Dünz d. Ä. vorführt, dessen Thätigkeit in das 17. Jhdt. fällt. Wie schon aus dieser Andeutung des Inhaltes hervorgeht, fand die Glasmalerei, wie in der Schweiz überhaupt, so besonders in Bern stets sorgfältige Pflege und zu ihrer Geschichte liegt also eine große Zahl von Beiträgen vor. Die Ausstattung der Festschrift ist eine höchst würdige und zugleich werthvolle durch eine Anzahl herrlicher Initialen, die bernischen Miniaturmalereien des 15. und 16. Jhdts. entnommen und am Schlusse des Buches in Bezug auf Inhalt, Farbe und Herkunft erläutert sind. Vermischte Nachrichten. 87) Aus Pichelswerder wird der „P.“ von einer /seltenen Entdeckung/ Mittheilung gemacht, von der auch bereits der Direktor des märkischen Museums in Kenntniß gesetzt ist. Der auf Pichelswerder bei dem Eigenthümer Ratthei wohnende Kaufmann Herr Beißer hatte bei häufigen Excursionen auf der Insel in einer abgelegenen Thalsenkung einen dicht mit Moos bewachsenen Stein aufgefunden. Die Oertlichkeit, wo der Stein lag -- derselbe befindet sich inmitten eines genau abgegrenzten Zirkels, dessen Radius eine Anzahl alter verwitterter Kiefern bildet -- bewog ihn, die Oberfläche des anscheinend nicht großen Steines bloßzulegen, wobei er denn bemerkte, daß der Stein von bedeutenden Dimensionen ist. Er setzte von seiner Entdeckung Herrn Ratthei in Kenntniß, und beide begannen, mit Spaten und Hebebäumen bewaffnet, den Stein von den anhaftenden Moos- und Erdetheilen zu befreien. Der nunmehr ziemlich bloßgelegte Stein ist würfelförmig mit abgestumpften Kanten und besteht aus grauem Sandstein. Die Seiten- und Unterflächen des ca. 15 Zentner schweren Steines waren ehemals glatt behauen, während die Oberfläche, durch die Einflüsse der Zeit etwas abgerundet, eine Anzahl runder, etwa vier Centimeter im Durchmesser und ca. 20 Centimeter tiefer Löcher enthält. Allem Anscheine nach hat man mit dieser seltenen Entdeckung einen der alten Wendenaltäre resp. Opfersteine aufgefunden; denn die auf der Oberfläche befindlichen Löcher deuten darauf hin, daß sie zur Aufnahme der Pflöcke, an denen das Opferthier befestigt wurde, gedient haben. (Nordd. Allg. Zeitg., Nr. 314.) 88) Die Renovierung der gothischen /St. Jakobskirche in Brünn/ wird, wie der „Mährische Correspondent“ mittheilt, demnächst vollendet sein. Die Gerüste sind bereits entfernt und der größte Theil der Renovierungs-Arbeiten hergestellt. Das Innere der Kirche gewährt einen überraschenden Anblick. Die Stadt Brünn kann mit Stolz auf die St. Jakobskirche blicken, die Herr Oberbaurath Ritter v. Ferstel selbst als die einzige in ihrer Art und als eine der schönsten, genial gebauten Kirchen Oesterreichs bezeichnete. Das Schwedenfest (15. August) wird bereits in der St. Jakobskirche gefeiert werden. (Oesterr. Kunst-Chronik, Nr. 7.) 89) /Domkirche zu Graz./ Die Reconstruction derselben, welche eben jetzt in Plänen ausgearbeitet wird, soll sich auf die Umgestaltung sämmtlicher Façaden im gothischen Stile, die Hinzufügung zweier Kapellen an die Seitenschiffe, die Demolierung der alten Sacristei und den Neubau derselben erstrecken. An Stelle des jetzt bestehenden kleinen Thurmes wird ein neuer Dachreiter auf Traversen hergestellt werden. (Dies., Nr. 7.) 90) Die /Renovierung/ der Wandmalereien im Innern der /St. Trinitaskirche/ zu Prag wurde dem Maler Herrn Karl Nacovsky zur Ausführung überlassen. Der untere Theil der Façade an der St. Maria Schnee-Kirche wird im gothischen Stile restauriert. (Dies., Nr. 7.) 91) Nachdem das Thurmdach des St. Heinrichs-Thurmes zu /Prag/ nun vollständig in stilvoller Gothik hergestellt ist, der Thurmbau selbst in seinen oberen Partien renoviert wurde, und die plumpen alten Holzfenster durch Jalousien ersetzt worden sind, wird nun auch das Thurmportal stilgerecht überbaut. (Dies., Nr. 8.) 92) Im vorigen Jahre wurde der Architekt Hr. /Mocker/ aufgefordert, einen Plan zur stilgerechten Restaurierung des Pulverthurmes zu /Prag/ auszuarbeiten und dem Stadtrathe vorzulegen. Der bereits fertige Plan wurde unlängst, wie der „Pokr.“ meldet, dem Stadtrathe vorgelegt und entspricht vollkommen allen Anforderungen. Der alterthümliche Thurm präsentiert sich da in seiner vollen Pracht, wie es ursprünglich projectiert war. Der Stadtrath hat den Plan einer eigenen Commission zugewiesen, und es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, daß in kürzester Zeit mit den vorgeschlagenen Renovierungs-Arbeiten wird begonnen werden. (Dies., Nr. 8.) 93) Aus /Hirsau/ (im württembergischen Schwarzwaldkreis), woselbst sich die Ruine eines ehemals berühmten Benediktinerklosters befindet, wird dem „Schw. M.“ unterm 21. Juli geschrieben: Landeskonservator Dr. Paulus ist gegenwärtig hier, um die Ruine des durch Melac 1692 eingeäscherten herrlichen und vielbesungenen Klosters in einen würdigen Zustand zu versetzen. Heute wurde mit der Bloßlegung des auf 1-6’ hoch verschütteten östlichen Kreuzgangs begonnen, und nach den ersten Spatenstichen wurden aus einem kaum meterhohen Schutt schon zwei kostbare Funde zu Tage gefördert: Schlußsteine des Kreuzganggewölbes, eine Blumenkrone in noch frischer, reichlicher Vergoldung und ein Christuskopf in edelster, feinster Profilierung in goldener Umstrahlung und Umrahmung, vollständig makellos erhalten und so frisch, als stamme er erst von gestern her. Ueber die neuesten Ergebnisse der /Ausgrabungen in der Klosterruine Hirsau/ berichtet man dem „Schwäb. Merkur“ unter dem 26. Juli: „Außer einem zweiten Schlußstein, einer vergoldeten Blumenkrone, prachtvoller gearbeitet, aber nicht so zierlich weich wie die erste, ist von Bedeutung nichts gefunden worden; doch zeigen einzelne Stücke in dunkelblauer oder hochrother Färbung, der goldene Griff eines Abtstabes und das goldene Hirschhorn aus einem Klosterwappen, welch herrliche Kunstschätze hier zertrümmert wurden. Alles Werthvollere, auch der immer aufs neue zu bewundernde /Christuskopf/, wird in dem sogenannten Bibliotheksaal über der freundlichen, vom Abt Johann 1508 erbauten Marienkapelle aufgestellt. Dieser Saal selbst schon ist mit seiner einfachen Holzkonstruktion, seinen schönen Verhältnissen und seinen schönen Holzschnittzierden an Decke und Kästen einer längeren Betrachtung werth. Heute früh wurde die nördliche Pforte des östlichen Kreuzganges, die bisher nur in ihrem Decksteine und den obersten Stabenden über den Schutt hervorragte, durchbrochen.“ (Korrespondent von u. für Deutschland, Nr. 376 und Deutscher Reichs-Anz., Nr. 182.) 94) Auf den Schmerzensschrei, welcher in Nr. 131 der hessischen Landeszeitung erschallte und von da aus durch den Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Nr. 6, Sp. 190) einen Fortklang in die weitesten Kreise erhalten hat, ertheilt das so nachhaltig provocierte Echo aus dem Mainzer Alterthumsverein folgende Antwort: Die aufgedeckten Reste des Petersstiftes sind, gleich allen in neuester Zeit bei den Arbeiten des Stadtbauamtes aufgefundenen Ueberresten alter Bauten, auf das sorgfältigste aufgenommen worden, freilich ohne dies jedesmal allen schreibseligen Correspondenten hiesiger und auswärtiger Blätter sofort zur Anzeige zu bringen. Auch mehrere Sargdeckel von hohem Alter sind von dem Vereine in Sicherheit gebracht in ebenso geräuschloser Weise wie die große Zahl mittelalterlicher Denkmale, welche man, sowohl ohne bevormundende Leitung der Presse, als ohne jedes Streben nach Anerkennung derselben, zu retten wußte und theils in dem städtischen Museum, theils in dem zu diesem Zwecke eingeräumten Eisernthorthurm und seinem Vorhofe aufgestellt hat. Daß die schon beim Herausheben in viele Stücke zerbrochenen Grabsteine eines Dechanten und Scholasters des 15. Jahrhunderts nicht sofort als eine wichtige Erwerbung in das Museum verbracht wurden, kann nur jemand „in höchstem Grade auffallend“ erklären, der es für angezeigt hält, eine ganz überspannte Vorstellung von dem Werthe dieser rohen Steinmetzarbeiten hervorzurufen, vielleicht gar selbst sich zu überreden vermag, in diesen unbeholfenen Umrissen eine stilvolle Durchführung einfachster Motive oder sonst welche den cursierenden Kunstphrasen entsprechende Leistung zu erblicken. Die beiden Denkmale sind jetzt nur aus dem einzigen Grunde zur Aufbewahrung gelangt, um dem gesunden Urtheil Gelegenheit zu geben, über den Werth solcher Schmerzensschreie zu entscheiden. Glücklicherweise sind wir „gerade in Mainz“ in der Lage, in den Monumenten unseres Doms aus allen Kunstperioden die lehrreichsten Erkenntnißmittel für die Verschiedenheit des Werths und der Wichtigkeit mittelalterlicher Denkmale zu besitzen, und wir dürfen wohl mit aller Berechtigung die Zustimmung jedes Unbefangenen voraussetzen, wenn wir die fraglichen beiden Denksteine auf die unterste Rangstufe dieser Art von vorzeitlichen Ueberresten stellen. Wenn aber in der Discussion, welche der Vortrag des betreffenden Artikels des Anzeigers hiesigen Ortes veranlaßte, besonders betont wurde, daß jene Denksteine doch eben so viel Recht auf Beachtung hätten, als jedes auch minder bedeutende römische Steindenkmal, so diene hierauf die einfache Bemerkung, daß römische Monumente ja ausschließlich nur am Rheine und vorzugsweise in unserer Stadt zu finden und deshalb ausnahmslos zu bewahren sind, während mittelalterliche Denkmale so geringen Werthes überall, in jedem Städtchen, vom Rheine bis nach Breslau und Königsberg hin, noch vorhanden, weit bessere und wichtigere derselben aber unter den Augen kunstbegeisterter Schmerzensschreier auf dem Boden der Kirchen und Kreuzgänge abgeschliffen werden und zu Grunde gehen. L. 95) /Freiburg/ i. Br. Die hiesige „Untere“ oder St. Martins-Pfarrkirche wird im Augenblick einer Restauration unterworfen, indem einige Zopfeinbauten entfernt, die Gipsgewölbe durch Holzdecken ersetzt und die Fenster mit gemalten Scheiben geschmückt werden. Beim Entfernen der Tünche fanden sich im südlichen Seitenschiffe Bruchstücke von Wandmalereien, die einen gewissen Schwung verrathen und wol dem 15. Jahrhundert angehören, sowie eine große Anzahl Wappen, die wahrscheinlich Epitaphien sind. Die Säulen sind ebenfalls mit Bildern geschmückt, und in einer bisher durch einen Beichtstuhl verdeckten Nische fand sich eine Resurrectio, die mindestens in das 14. Jahrhundert zurück datiert, mit den Donatoren. Es ist anzunehmen, daß die ganze Kirche, -- früher den Barfüßern-Franciskanern gehörig, -- mit Fresken geschmückt war. Es ist zu hoffen, daß Schritte zur möglichsten Erhaltung der Bilder gethan werden. 96) Wie die „N. Zürich. Ztg.“ meldet, übernimmt der Einwohner-Gemeinderath von /Solothurn/ die auf der berühmten /Madonna von Holbein/ haftende Schuld von 12000 Fr. unter der Bedingung, daß die ganze Gemäldesammlung des Kunstvereins für 80000 Fr. assekuriert) in das Eigenthum der Einwohnergemeinde übergehe; immerhin ist dem Kunstverein die Aufsicht über die Sammlung vorbehalten. Diese Madonna, schreibt der Solothurner Korrespondent der genannten Zeitung, hat eine schicksalsreiche Vergangenheit. Bis zum Jahre 1856 fristete sie ihr Dasein unbeachtet und unverstanden in einem Winkel der Allerheiligen-Kapelle in Grenchen, nachdem sie früher, wahrscheinlich bis Ausgang des 17. Jahrhunderts, eine Zierde der St. Ursus-Kirche gewesen war. Zuerst soll Hr. Bischof Lachat auf den hohen Werth des Gemäldes aufmerksam gemacht haben; allein zwei Maler entdeckten das am Bilde angebrachte Monogramm H. H. und suchten sich möglichst rasch in den Besitz des Gemäldes zu setzen, was ihnen auch um einen geringen Preis gelang. Die Restauration übernahm der nun verstorbene Eigner in Augsburg. Zu spät kamen die Grenchener zur Einsicht, welch herrlichen Schatz sie verloren, und strengten einen Prozeß an, der aber endgültig zu Gunsten des Kunstvereins entschieden wurde. An diesen war nämlich inzwischen das Eigenthumsrecht gegen die Verpflichtung der Erstattung der Restaurationskosten abgetreten worden. Diese übernimmt der Gemeinderath; ihm, sowie Hrn. Fürsprech J. Amiet, der in Wort und Schrift („H. Holbeins Madonna von Solothurn und deren Stifter“) für die Erwerbung des Gemäldes gewirkt, gebührt der Dank der Schweizer Kunstfreunde; dieses Juwel bleibt nun Solothurn für immer erhalten. (D. Reichs-Anzeig., Nr. 178.) 97) /Schieben./ Vor einigen Tagen fand ein hier wohnhafter Arbeiter beim Torfstechen in einem Torfstiche bei Frankenheim einen alterthümlichen, vergoldeten, dreischneidigen Dolch. (Norddeutsche Allgem. Zeitung, Nr. 310.) 98) Anfangs des Monats Juli d. J. wurden in der Nähe von Osten in Hannover, beim Abtragen eines Sandhügels, nicht tief unter der Oberfläche, frei im Sand liegend, nach Mittheilung des numismat.-sphrag. Anzeigers Nr. 7 eine Anzahl von Goldstücken, Thalern und Thalertheilen verschiedener Gepräge mit der Jahreszahl 1617-1654 gefunden, die zwar vom Umlaufe wenig abgenützt sind, aber durch Oxydation stark gelitten haben. 99) Die Antiquariatshandlung von Ludwig Rosenthal in München ist jüngst in den Besitz einer sehr merkwürdigen Handschrift der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert gelangt, welche durch ihre schönen Miniaturen und eine große Ansahl kostbarer Holzschnitte in künstlerischer Beziehung von großem Interesse und auch durch ihren Text in sprachlicher und religiöser Beziehung wichtig ist, so daß sie nach an uns gelangten Mittheilungen die erste Stelle unter Schätzen ähnlicher Art in jeder großen Bibliothek oder Museum einzunehmen verdient. Sie hat die Ueberschrift: „Gulden püchlein von unser lieben frawen Maria“ (in Prosa) gefolgt von: „Von vnser lieben frawen lob. Hie hebt sich an die guldeni Schmyt zu teutsch“ (Konrad’s von Würzburg Gedicht: die goldene Schmiede). Diese Perg.-Handschrift hat 228 Seiten mit gothischer Schrift. Beigebunden ist ein Blatt mit einem Ablaßbrief, geschrieben von einem Dominikaner, datiert von Nürnberg 1405. Der gothische Originaleinband von Leder zeigt gepreßte, ornamentale Verzierungen, Blumen, Thiere u. s. w. und ciselierte Buckeln und Eckbeschläge. Das Buch hat eine Höhe von 215 mm. und eine Breite von 155 mm; es ist geschmückt durch 3 Miniaturen (Höhe 185 mm., Breite 140 mm.), 13 große Holzschnitte (H. 182-190 mm. Br. 120-125 mm.) und 64 andere von 70 mm. Höhe u. 60 mm. Breite, welche Scenen aus dem Leben der heil. Jungfrau und Jesu darstellen. Die Zeichnungen und das Colorit erinnern an die Augsburger Schule, in deren Art die Heiligenscheine und Verzierungen in Gold ausgeführt sind (s. die Notizen über diese Schule bei Weigel und Zestermann). Die Holzschnitte sind natürlich der Hauptschatz des Buches, da sie aus der Zeit vor 1450 stammen, welche Jahreszahl sich am Ende des Gulden püchlein findet. 100) Eine Ausstellung älterer kunstgewerblicher Gegenstände, ähnlich derjenigen in Münster, bezw. den früheren Ausstellungen in Köln und Frankfurt a. M. und den bezügl. Abtheilungen der Ausstellungen zu München, Hannover und Leipzig, wird demnächst in /Lübeck/ stattfinden. Bei der großen Anzahl solcher Gegenstände, die in den Kirchen und Sammlungen der Stadt, sowie im Privatbesitz ihrer Bürger noch immer vorhanden sind, wenn auch Jahrhunderte schon von dem Schatz der Vorzeit gezehrt haben, hofft man auf ein äußerst interessantes Ergebniß des Unternehmens, dem es sicherlich an Zuspruch nicht fehlen wird. Die Ausstellung wird am 4. September in den eigens für diesen Zweck restaurierten unteren Räumen des ehemaligen Burgklosters eröffnet werden; die Dauer derselben ist vorläufig auf etwa 3 Wochen festgesetzt. 101) Der Dombaumeister Voigtel hat folgenden 69. /Baubericht über den Fortbau des Domes zu Köln/ erstattet: Die Bauarbeiten am Kölner Dome, seit dem Jahre 1877 auf die Ausführung der beiden Steinhelme der Thürme und die Restauration des im Mittelalter erbauten Theiles des südlichen Thurmes beschränkt, haben bei ausreichenden Arbeitskräften und bei andauernd günstigen Ergebnissen der Dombau-Prämienkollekten am Schlusse des Jahres 1878 den im Betriebsplane vorgesehenen Abschluß erreicht. Die Steinhelme beider Thürme, bis zur Höhe von 32,050 m. über das Deckgesims der Octogone versetzt, sind im Laufe des Monats Mai 1879 bis zur Hälfte ihrer Gesammthöhe aufgebaut und darf deren Vollendung im Laufe des Jahres 1880 nunmehr bestimmt in Aussicht genommen werden, da der kubische Inhalt der zu bearbeitenden und zu versetzenden Hausteine mit der zunehmenden Höhe der Helmpyramiden stetig abnimmt. Nach Vollendung der zwischen den Horizontalgurten eingefügten Maßwerke der Helmrosetten verbleibt als Hauptarbeit für die Verzierungsarbeiter in den Werkhütten die Ausführung von 192 Kantenblättern der Helmgräte und die Bearbeitung der 8 m. hohen, die Helme krönenden Kreuzblumen, während von den Profilarbeiten nunmehr noch 368 laufende Meter der Helmgräte fertig zu stellen sind. Nachdem im Winter 1877/78 der Sockel am Fuße des südlichen Thurmes erneut und die Konstruktion des 50 m. hohen Baugerüstes an der West- und Südseite des südlichen Thurmes im Frühjahre 1878 vollendet war, begannen die Restaurationsarbeiten daselbst in der Höhe des