Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various

16. Jahrh. beigetragen haben. Er wollte aber vor allem diese Motive

populär machen, und deshalb mußte eine Vervielfältigungsart gefunden werden, welche die größte Billigkeit möglich machte. Dazu eignet sich denn auch ganz vorzüglich die Uebertragung der Photographie auf eine Metallplatte und Aetzung derselben für die Buchdruckpresse. Diese neue Technik, die da und dort unter verschiedenen Namen, wie z. B. Aubeldruck[285], auftauchte, im allgemeinen als „Zinkhochätzung“ bezeichnet wird, lässt eine ganz treue Wiedergabe des Originales zu und gestattet, mit größter Schnelligkeit zu drucken, so daß die Herstellungskosten sehr gering sind. Mit Recht läßt sich daher diese Publikation als eine Volksausgabe der Formenklassiker bezeichnen; denn trotz der sehr stattlichen, angenehm ins Auge fallenden Erscheinung der Blätter konnte für die 232 Blätter ein Ladenpreis von nur 20 Mark festgesetzt werden, ein bis dahin in der Illustrationsliteratur unerhört geringer Preis für ein gediegenes Prachtwerk. Dieses Werk geht aber weit über die ursprüngliche Absicht des Herausgebers in seiner Wirkung hinaus. Nicht nur der Handwerksmeister, der Geselle und Lehrling erhält klassische Vorlagen, das ganze Publikum und vor allem die Gebildeten werden hier mit der Formenwelt innig vertraut gemacht, die ihnen vorher eben nur ahnungsweise bekannt sein konnte. Selbst der Forscher auf kunstgeschichtlichem Gebiete erhält zu bequemem, handlichem Gebrauche eine Fülle von Material in vorzüglichster Wiedergabe zusammengestellt, das er früher weit zerstreut suchen mußte. Welche Kupferstichsammlung enthält an Originalblättern auch nur eine entfernt vollständige Sammlung dieser Formenklassiker? Hier kann sie nach und nach in Vollständigkeit geboten werden, und die vergleichende Forschung hat allen Grund, der neuen Technik dankbar zu sein. Allein weshalb sollte sich die Publikation auf das 16. Jahrh. beschränken? Bietet nicht die frühere Zeit gediegenes Material? Bietet nicht die spätere noch so Vieles, was heute, wo, ohne eigenen Stil, das Kunstgewerbe in allen erdenklichen Stilen arbeitet, dem Meister nothwendig und willkommen ist? Kann nicht auch dem Forscher derselbe Dienst für andere Zeitperioden geleistet werden? Die Beantwortung dieser Fragen mußte es dem Herausgeber nahe legen, die Beschränkung fallen zu lassen, und so hat er sein Unternehmen, unter Abschluß des Formenschatzes der Renaissance zu einem zweibändigen Werke, unter dem neuen Titel als Zeitschrift organisiert, von der der Jahrgang 1879 den ersten Band bilden soll, und die auch als französische Ausgabe unter dem Titel l’art pratique erscheint. Bereits liegen 11 Hefte vor, in denen alle Zeitperioden Berücksichtigung gefunden haben, und die 134 Blätter enthalten. Der Text ist auf je wenige erläuternde Worte auf dem Umschlag der Hefte beschränkt, die wol am Schlusse des Bindens wegen, wie dies auch beim ersten Unternehmen geschehen ist, auf einige Blätter zusammengedruckt werden. Daß auch der Preis der Zeitschrift ein ähnlich billiger ist, beruht auf der Grundabsicht des Unternehmens. FUSSNOTE: [285: Auf diese Weise ist z. B. die Abbildung auf Sp. 105 u. 106 des vorigen Jahrganges unseres Anzeigers hergestellt; inzwischen hat natürlich die neue Technik in Bezug auf Reinheit der Wiedergabe noch große Fortschritte gemacht.] Vermischte Nachrichten. 69) /Aus Mähren/ wird der „Allg. Ztg.“ über /neue Höhlenfunde/ unter dem 1. Juli geschrieben: Seit mehreren Monaten werden auf dem Berge /Kotoutsch bei Stramberg/ Ausgrabungen vorgenommen, bei welchen interessante und für die Wissenschaft höchst bedeutende Resultate erzielt wurden; dieselben werden vom Hrn. Realschullehrer Karl J. Maschka in Neutitschein in systematischer, allen Aufforderungen der Wissenschaft entsprechender Weise durchgeführt. Namentlich sind es die beiden Höhlen Schipka und Tschertowa Dira (auch Zwergenhöhle genannt), welche die Aufmerksamkeit des Forschers auf sich lenkten und thatsächlich vollste Beachtung verdienen, indem es schon jetzt durch die bei den Ausgrabungen zu Tage gebrachten Objekte und durch die Verhältnisse, unter welchen diese gefunden wurden, erwiesen ist, daß beide Höhlen von Menschen in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt waren, und zwar die erste, deren Decke zum Theil eingestürzt ist, in der ältsten Steinzeit (in der paläolithischen Zeit), die andere in einer späteren Zeit, als der Mensch schon einige Kenntniß der Metalle besaß. Es ist ferner evident, daß der Mensch dort gleichzeitig mit dem Mammuth und Höhlenbär gelebt hat, indem beispielsweise verbrannte und bearbeitete Knochen noch 1 m. unter den Resten dieser Thiere sich vorfanden. Die Funde in der Schipkahöhle bestehen aus Tausenden von Knochen vorsintfluthlicher Thiere, als Mammuth, Rhinoceros, Höhlenbär, Pferd, Urstier, Hirsch, Rennthier u. s. w., Tausenden von losen Zähnen dieser Thiere, Geweihen, zahlreichen schön erhaltenen Stein- und Knochenwerkzeugen, welche Gegenstände bis 3 m unter der Oberfläche gefunden wurden. Außerdem wurden in der obersten Schichte sieben Bronzegegenstände gefunden, und zwar ein Hohlbeil (Celt) fünf concentrische Ringe und ein Ring mit einem rechtwinkeligen Kreuze (Rad mit 4 Speichen). In der Tschertowa Dira wurden gefunden: Knochen von Höhlenbär, Rennthier, Edelhirsch, Rind u. s. w., zahlreiche, auch bearbeitete Geweihstücke, viele sehr gut erhaltene Beingeräthe und Werkzeuge, als durchbohrte Nadeln, Pfriemen, drei- und vierkantige Pfeilspitzen, rohe und nicht polierte Steinwerkzeuge von Feuerstein, Jaspis und Chalcedon, Fragmente von den verschiedenartigsten Thongefäßen, mit und ohne Graphitüberzug, aus freier Hand ohne Benützung der Töpferscheibe verfertigt und mit charakteristischen Ornamenten versehen, sowie auch dreikantige Bronzepfeilspitzen mit einem Giftloch, durchbohrte Zähne, Muscheln, Schleifsteine, Spinnwirtel u. s. w. Auf dem Scheitel des Berges oberhalb dieser Höhle ist man auf ausgedehnte Brandstätten gestoßen, und es fanden sich unmittelbar unter dem Rasen nebst zahllosen Thonscherben auch Scherben von Graphitgefäßen, Steinwerkzeuge, darunter ein 117 mm langes Messer und eine durchbohrte polierte Kugel, ferner verschiedene Bronze- und Eisengegenstände. Da in Oesterreich Höhlenfunde dieser Art überhaupt noch nicht, ausgenommen theilweise in der Vypustekhöhle, und im übrigen Mitteleuropa nur selten gemacht worden, so ist es erklärlich, dass diese Ausgrabungen des regste Interesse der Anthropologen geweckt haben, und es wäre nur zu wünschen, daß dieselben in gleicher Weise zu Ende geführt würden; denn es ist zu erwarten, daß noch neue interessante Gegenstände aus ihrer tausendjährigen Verborgenheit ans Tageslicht gebracht werden. Durch diese Funde wird der Ring der Entdeckungen über die menschlichen Ureinwohner in Centraleuropa bedeutend erweitert, indem die letzten Glieder des Ringes im südwestlichen Deutschland von dieser neuen Station ziemlich weit entfernt sind. (D. Reichsanz., Nr. 158.) 70) Das 2. Heft des 5. Bandes der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. z. Erf. u. Erh. der Kunst- und histor. Denkmale bringt eingehende Berichte über prähistorische Funde aus Böhmen, welche theils noch im vergangenen Jahre gemacht wurden, auf welche wir im Interesse möglichster Vollständigkeit unserer Fundchronik an dieser Stelle wenigstens hinweisen müssen, so über Heidengräber im Walde Brejchovina bei Hánov, ein Steinhammer aus Dobrě, eine Goldmünze des Kaisers Tiberius, gefunden bei Dobronic, nächst Bechyň an der Lužnice. 71) /Oldenburg/, 24. Juni. Bei /Wildeshausen/ wurde in einem Hügelgrabe eine sogenannte Fensterurne (s. „Archiv für Anthropologie“, Korrespondenzblatt Nr. 3 und 6) gefunden. Sie ist von eleganter Form, fein geglättet, nur 10 cm. hoch, von hellgrauem, sehr feinem Thon. Auf der Ausbauchung befinden sich drei runde Löcher von etwa 2 cm. Durchmesser; in diese sind grüne Stücke Glas in den noch feuchten Thon eingesetzt. Ebenso ist in den Fuß ein Stück Glas eingelassen. In der Urne stand eine Vase von fast gleicher Höhe und demselben Material. Der Inhalt bestand in Knochen und Kohle. Bis dahin sind, sowie bekannt, erst sechs dergleichen gefunden, die siebente würde die erwähnte sein, keine unter ihnen zeigt aber eine so regelmäßige Vertheilung des Glases, und meistens haben sie nur im Fuße ein Stück Glas. Sollten sich in anderen öffentlichen oder privaten Sammlungen Deutschlands oder des Auslandes Urnen mit eingesetztem Glase befinden, so würde eine Nachricht dem /Oldenburgischen Landesverein für Alterthumskunde/ sehr willkommen sein. (D. Reichsanz., Nr. 153.) 72) /Neuenburg./ Dem „Vignoble“ zufolge hat Herr A. Borel von Bevaix letzte Woche in der Pfahlbaustation bei Châtelard einen sehr schönen Einbaum aufgefunden. Das neue Fundstück ist wohl das bemerkenswertheste bis jetzt aufgefundene Exemplar. Der Kahn besteht aus einem einzigen Stück Eichenholz, mißt 8 m. in die Länge, 90 cm. in die Breite und 65 cm. in die Höhe und ist vollkommen erhalten. In dem ausgehöhlten Raume mochten circa 12 Personen Platz finden. Die in geringer Entfernung von einander abstehenden Einschnitte für die Ruderbänke sind noch sichtbar, dagegen findet sich keine Spur von Ruderhaltern. Interessant ist der Umstand, daß das Vordertheil eine leicht gebogene Verlängerung zeigt, bestimmt, das Fahrzeug am Ufer zu befestigen, während das Hintertheil in eine schnabelförmige Spitze ausläuft. (Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.) 73) Die römischen Niederlassungen auf dem Zollfelde (Virunum) und am Helenen- oder Magdalenenberge bilden noch immer reiche Fundstätten. Auf dem Zollfelde wurde jüngst ein besonders schöner Thürschloßbeschlag gefunden, der aus Schloßblech, Schlüssel und Thürgriff besteht; am Hohenberge 8 Inschriftsteine. 74) /Deutz/, 9. Juli. Die „Cöln. Ztg.“ schreibt: „Diejenigen, welche sich für die Erforschung römischer Baureste am Rhein interessieren, werden mit Freuden vernehmen, daß der Kriegsminister bereitwillig die Mittel zur Verfügung gestellt hat, die hier aufgedeckten /Ueberreste römischen Mauerwerks/ vom Schutt zu befreien. Ueber das Ergebniß dieser Nachgrabungen werden wir zu seiner Zeit Weiteres berichten.“ (D. Reichsanz., Nr. 161.) 75) In einem Landgute bei /Corsier/ (unweit Genf) wurde das Skelett eines gallo-römischen Kriegers nebst Schwert und Speer gefunden. Schon früher sollen ähnliche Entdeckungen in dortiger Gegend gemacht worden sein. (Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.) 76) /Zürich./ In der „Kurzägeln“ bei Seew, einer reichen Fundgrube römischer Alterthümer, stießen diesen Winter Arbeiter beim „Ausreuten“ eines Stückes Land auf Mauerreste und förderten einige römischen Münzen aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr., ein Hirsch- und ein Rehhorn, eine Lanzenspitze, eine kleine Glocke, Glas, Metall, Mauleselhufeisen und ein Ziegelstück mit dem Zeichen der XXI. Legion zu Tage. Bei Arbeiten auf der Ebene, in der Nähe des Steinbruchs, wurde ein Ziegelstück mit dem Legionszeichen LXXIS., eine schöne Topfscherbe und ein Ackerstein mit einem Loche gefunden. Da die Landleute rings herum beim Pflügen noch auf Mauern stoßen, so muß die Ortschaft ziemlich groß gewesen sein. Das Hauptgebäude stand aber jedenfalls auf dem Hügel und war stark befestigt, dafür sprechen die dicken Umfassungsmauern. Wenn vielleicht später die Anhöhe zum Ackerbau urbar gemacht wird, so mag noch manches interessante Fundstück zu Tage gefördert werden. (Daselbst.) 77) Mehrere Arbeiter aus /Schönhagen/, Amts Uslar, haben Ende April in der Nähe der alten Wüstung Winnefeld, wo man früher im Walde und beim Chausseebau eine Urne und einen heidnischen Grabhügel ausgegraben hat, beim Pflanzen junger Eichenstämme gegen 120 römische Münzen gefunden, welche man wegen ihres schweren Gewichtes für Goldmünzen hält. (Numismat.-sphrag. Anz., Nr. 6.) 78) /Asperg/ (Schwaben). Das sogenannte kleine /Aspergle/, in der Nähe des hiesigen Stadtwaldes Osterholz, läßt Hr. Prof. Dr. Fraas gegenwärtig /ausgraben/. Auf der Seite, nicht weit vom Eingange des Schachtes entfernt, wurde ein Einzelgrab, Todtengebeine, einen Kessel, einen vergoldeten Teller, einen Goldstab, eine Vase etc. enthaltend, gefunden, und jetzt, wo man mehr gegen die Mitte des Hügels kommt, zeigen sich Spuren eines weiteren Grabes. Die bisher gefundenen Gegenstände sollen ein Alter von über 2000 Jahren haben. (D. Reichsanz., Nr. 148.) 79) In der Pfarrkirche zu /Katzow/ bei /Wolgast/ in Pommern, einem gothischen Backsteinbau aus dem Ende des 14. Jahrh., welcher augenblicklich nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten Prüfer in Berlin ausgebaut und renoviert wird, sind jüngst unter vielfachen Tüncheschichten eine große Anzahl Wandmalereien aus dem