Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various

1879. Nº 7. Juli.

Wissenschaftliche Mittheilungen. Kunstgeschichtliches aus Bunzlau. Die Kreisstadt Bunzlau am Bober (Regbez. Liegnitz), welche ihrem berühmten Landsmann, dem Dichter Martin Opitz von Boberfeld, eine Bekanntschaft in weiteren Kreisen verdankt, ist nach den Angaben älterer Chronisten 1190 von Boleslaw dem Langen, Herzog von Schlesien (1163-1201), gegründet und mit Mauern, Basteien und Thürmen befestigt worden, woher der aus Boleslavec -- so heißt der Ort 1251 -- corrumpierte heutige Name stammt. Auf denselben Herzog wird die Anlage der nicht mehr vorhandenen Liebfrauenkirche vor dem Niederthore zurückgeführt, während ein Breslauer Kaufmann gegen Ende des 12. Jhdts. in Folge eines Gelübdes ein der h. Dorothea gewidmetes Gotteshaus auf dem erhöhten Platze gestiftet haben soll, auf dem sich die heutige kath. Pfarrkirche in honorem gloriosae virginis Mariae et St. Nicolai erhebt. Sie war ursprünglich hölzern; erst gegen Ende des 13. Jhdts. scheint man zu einem steinernen Baue geschritten zu sein, von dem sich als einziger Ueberrest das Fragment eines gekuppelten Fensters, im Thurme eingemauert, erhalten hat. Der älteste Ablaßbrief zu Gunsten dieses Werkes wurde 1298 (Juni) in Rom von den Erzbischöfen Gundislaus Galiciarum, sedis Hispaniarum primatis, frater Egidius Bituriensis, Leonhardus Aversanus etc. ausgestellt. Nach totaler Zerstörung des Gebäudes durch die Hussiten[241] schrieb Bischof Konrad, Herzog von Oels (1417-47), zu Breslau am 4. Sept. 1442 für die Neuerrichtung unter folgenden einleitenden Worten einen Ablaß aus: „cum ecclesia per insultum Thaboritarum una cum oppido funditus fuerit exusta et in suis clenodiis ad divinum cultum et ministrorum indigentiam opportunis omnimodo depopulata ..., ut statui priori restituatur.“ (Abschriften beider Briefe in der handschriftlichen Chronik des Pastors Holstenius († 1609), im Besitz des kgl. Waisenhauses.) Den langsamen Gang des Baues bezeichnen die Jahreszahlen 1482 am äußeren Chor, 1492 am ersten Stockwerk des Thurmes, welcher um 1522 bis zur Brüstung fertig geworden sein dürfte, 1516 an der südlichen Ecke des Frontispiz, 1521 am Gewölbe unter dem Orgelchore. Für den Baumeister halte ich /Wendel Roßkopf/ von Görlitz, über welchen meine „urkundl. Beiträge zur Künstlergeschichte Schlesiens“ bei genannter Stadt zu vergleichen, und zwar auf Grund zweier neben seiner Namensinschrift stehender Steinmetzzeichen auf der von ihm errichteten Gröditzburg, die sich in Bunzlau wiederfinden. (Abgebildet in Schlesiens Vorzeit, 34 Ber., Tf. II, 21, 22). 1579 wurde dem Orgelsetzer /Joh. Lange/ von Kamitz[242] die Renovation der Orgel in der Pfarrkirche verdingt, was den Magistrat auf 600 [Symbol: Reichstaler] zu stehen kam; (Hol. f. 143).[243] 610 (Juli) ist der neue Kranz auf dem Kirchthurme[244] sammt dem Wachstüblein darauf gesetzet worden von dem Steinmetzen /Elias Böer/. (Diese Namensform kommt übrigens auch bei einem Mitgliede der italienischen Baumeisterfamilie Bahr in Brieg vor!) (Continuatio des Hol. f. 27). 32 Jahre später wurde die Kirche bei der schwedischen Eroberung ausgebrannt; der Haupttheil blieb bis 1692 wüst liegen, wo der Italiener /Julius Simonetti/ sie völlig wiederherstellte. Damals wurde der Bau des Schiffs laut der unter dem Orgelchor befindlichen Jahrzahl beendigt; die bürige Renovation des Gebäudes bestand in einer Erweiterung desselben nach Norden zu.[245] (Bergemann, Chronik v. Bunzlau, 1829, S. 27.) Das Andenken dieses Architekten wahrt noch die Kirche durch den Grabstein seines Töchterchens Ursula Marianna († 1692); die Mutter führte den gleichen Namen. Simonetti war (nach Bergemann, S. 430) 1721-28 Stadtvogt in Bunzlau und 1718 Stadthauptmann bei den Schützen (S. 462). Nach vollendetem Reparaturbau ließ er den Altar der Auferstehung auf seine Kosten errichten; (ebenda S. 27.) Er erbaute übrigens auch die evangelische Kirche zu Halbau bei Sagan; (A. Schultz, Schles. Kunstleben im 15. Jhrh., S. 22.) Der Hochaltar wurde laut Contract vom 17. Sept. 1723 (im Pfarr-Archiv) von dem Bildhauer /Leonhard Wäber/ aus Schweidnitz verfertigt. Die Kosten dafür hatte der 1722 † Erzpriester Blutvogel[246] vorausbezahlt. Dem Dingzettel zufolge sollte der Künstler zu den Bildern und dem Schnitzwerk das Holz schaffen, auch die Säulen und was zur Architektur gehört einen Tischler auf eigne Kosten machen lassen, das Hauptbild aber, die h. Jungfrau, von Holz geschnitten und durch etliche Engel gen Himmel auffahrend dargestellt, oben aber in einer Gloria die h. Dreifaltigkeit nach Anzeigung des (vorgeschriebenen) Risses gemacht werden. An Statuen kamen noch hinzu Petrus, Paulus, Augustinus, Nikolaus, Laurentius, Stephanus, Wenzel und Leopold auf die untern Postamente, auf die oberen aber Fides, Spes und Charitas, Hedwig und Ludmilla. Insbesondere sollte observiert werden, daß der Altar gebogen sei und in Gestalt eines Halbmondes formiert werde etc. Dem Verfertiger wurden für solche Arbeit 600 [Symbol: Reichstaler] à 30 Sgr., in 5 Raten bis zu geschehener Vollendung zahlbar, ausgesetzt, außerdem ein Schock kieferne Bretter und endlich kostenfreie Translocation von Schweidnitz nach Bunzlau zugesichert. -- An der Stirnseite der Kirche ist seit einigen Jahren ein Steinbild, die Dreifaltigkeit darstellend, eingemauert worden, welches ursprünglich den Schmuck des Oberthors (zur Straße nach der Herrnhutercolonie Gnadenberg führend) bildete; es hatte die Jahrzahl 1533 und trägt in Minuskeln die Inschrift: Si incole bene morati, pulchre opidum (!) munitum[247]. -- Das vielfach renovierte Rathhaus ist in der Hauptmasse ein spätgothischer Bau aus dem Zeitraum von 1525-35, wie die Inschriften bezeugen; besondere Beachtung verdient darin das complicierte, kühn geschwungene Gewölbe des Rathskellers. Ueber dem Eingange zur ehemaligen Gerichtsstube steht der Hexameter: Jus cole, perniciosa viris iniuria res est; zwischen dem preußischen Adler und dem Stadtwappen auf der Südseite des Gebäudes das Distichon: Alarum illarum degent secura sub umbra Curia, jura, salus, gensque, Bolesla, tua. Der Thurmkranz wurde laut Inschrift 1776 unter dem Kämmerer und Bauherrn Gottlob Liebner errichtet. Die Kuppel setzte der Schieferdecker Flügel aus Harpersdorf (b. Goldberg). (Bergemann, a. a. O. S. 17.) -- Die ältesten Steinskulpturen in der Stadt finden sich am Gasthofe zu den drei Kränzen am Markte, bestehend in drei Köpfen und einem Jäger hinter zwei wilden Schweinen, welche Bilder die Tradition mannigfach gedeutet hat. So sollen die beiden Frauenköpfe ungarische Pilgerinnen vorstellen, welche 1442 auf der Wallfahrt nach Aachen in genanntem Wirthhause starben. (Bergemann, a. a. O. S. 80). Ueber das Jahr 1450 dürften diese Alterthümer sämmtlich keineswegs hinausgehen. -- Von Architekturen aus der Renaissancezeit sind gegenwärtig nur noch zwei Façaden auf der Südseite des Marktes vorhanden: die 1558 von Heinrich Weißkopf angelegte Apotheke (Bergem. S. 49), welche über dem Eingang 1672 datiert ist, und das ältere anstoßende Gebäude, muthmaßlich ein altes Patrizierhaus, mit Ritterköpfen, welche aus den Zwickeln des reich skulpierten Portals herausschauen. Wahrscheinlich ist ihr Erbauer der „wälsche Maurer“ /Antoni Tußkant/ (Toscano?), welchen die citierte Handschrift zweimal erwähnt, (f. 112 u. 43 der Continuatio). Er wohnte 1672 am Ringe in der Nähe des alten Röhrtrogs neben dem Magister Heinisch; in seinem, früher dem Franz Böer gehörigen Hause logierte 1546 der Prinz Maximilian, als er Montag nach Jubilate (17. Mai) mit seiner Mutter Anna und zwei Schwestern in Bunzlau verweilte. In den namhaft gemachten Quellen finden sich noch folgende Notizen über ältere bildende Künstler. Die Maurerinnung soll 1499 von König Wladislaus privilegiert worden sein. Die Steinmetzenzunft bildeten 1549 N. Holstein, C. Beer, St. Namsler, N. Schuhmann, H. Lindner, M. Maywald (B. S. 66). 1563 ertrinkt der Stadtzimmermann /Wenzel/, als er das Niederwehr gegen den angeschwollenen Bober zu erhalten sucht; (H. f. 128). 1566 verschleppte ein Perlhefter (Paramentensticker) aus Naumburg a. d. Saale die Pest nach Bunzlau, weshalb die Seuche das Perlhefter-Sterben genannt wurde. (ebendas. f. 133). Um 1588 ließ der Magistrat zwei neue Feldstücke von dem Glockengießer /Stephan Götz/ zu Breslau herstellen; (ebendas. f. 153). 1614 arbeitete in Bunzlau der Maurer /Mich. Gierbig/; (Cont. f. 37). In demselben Jahre beginnt der Maurermeister /Leonhard Muth/ den Kirchthurmbau in dem unweit der Stadt gelegenen Tillendorf; der Baumeister /Georg Weigmann/ aus Sagan vollendet 1616 das Werk (B. S. 95). 1620 starb im Kretscham zu Klitschdorf (Kr. Bunzlau) der Goldschmied /Hans Kestner/; „denn er sich im Bier und Branntwein so vollgesoffen, daß er vom Schemmel gefallen und bald todt blieben ist. Sicut vixit, ita morixit (!)“ (Cont. f. 45). 1625 wird die Falschmünzerei des Uhrmachers /David Wiehl/ und des Malers /Elias Meyer/ entdeckt. Die Schuldigen entkamen; (ebendas. f. 54). /Bunzlau/. /Dr. Ewald Wernicke/. FUSSNOTEN: [241: An einem Strebepfeiler des Chors gewahrt man zwei, bereits verwitterte, eingegrabene Abbildungen von Kirchen, anscheinend romanischen Stils; vielleicht Reminiscenzen der ursprünglichen Gestalt des Gebäudes. Romanisch sind noch die Dorfkirchen von Giesmannsdorf und Großhartmannsdorf (Kr. Bunzlau).] [242: Es wird wol Kamenz in der Lausitz gemeint sein.] [243: Die Handschrift beruft sich auf ein Stadtbuch der Verträge; von diesem und ähnlichen Urkundenbüchern ist an Ort und Stelle nichts mehr vorhanden.] [244: und zwar in mißverstandener Nachahmung der Gothik, obgleich, wie unten gezeigt werden soll, sich schon damals ein Renaissancekünstler in der Stadt eingebürgert hatte.] [245: nämlich in einer zwischen zwei Strebepfeiler eingebauten Vorhalle.] [246: Dieser merkwürdige Name erscheint auch 1376 in Schweidnitz.] [247: Außerdem bemerkt man daran zwei erhaben gearbeitete Künstlermonogramme.] Ulrich Gossembrot. In der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins XXV, 36-69 habe ich den Augsburger Bürgermeister Sigismund Gossembrot als eifrigen, begeisterten Vorkämpfer des Humanismus geschildert, und schon früher ebenda XXII, 83-85 einige Reden und Briefe seines Sohnes Ulrich nachgewiesen, der in Ferrara ein eifriger Schüler des Guarinus von Verona gewesen war, 1459 in Padua studierte; am 23. Februar 1459 erbat der Vater ein Benefiz für ihn vom Bischof von Augsburg (S. 89). Es scheint, daß weder Vater noch Sohn es an Aufwand und Anstrengungen haben fehlen lassen, daß aber ein früher Tod Ulrichs seine Laufbahn vorzeitig abgeschnitten hat; denn sonst wäre es kaum zu erklären, daß Paul von Stetten in seinen Nachrichten von den Augsburger Geschlechtern von ihm gar keine Kunde hat. Eine letzte Spur von ihm habe ich in dem unten folgenden Briefe gefunden. Acht Jahre hatte er in Italien den Studien gewidmet, zuletzt in Padua der Rechtswissenschaft, und war dem Ziele nahe, als Kränklichkeit, die ihn schon immer gehindert hatte, ihn nöthigte, heimzukehren. Bevor er nun nach Padua zurückkehrt, hält er es für zweckmäßig, sich eine praktische Ausbildung und angesehene Bekanntschaften zu verschaffen. Deshalb wendet er sich an den kaiserlichen Rath Ulrich Riederer, einen alten Gönner seiner Familie, mit dem Wunsche, in seiner Umgebung sich aufhalten zu dürfen. Er lobt diesen unmäßig, mit aller Wohlredenheit der Schmeichelei, welche den Humanisten eigen ist; vorzüglich auch als Freund und Beförderer des Humanismus. In ähnlicher Weise rühmt ihn auch Aeneas Silvius als sehr gelehrt, rechtskundig und von großer Beredsamkeit, in seinen Commentarien (ed. Francof. 1614) S. 243, wo er berichtet, daß Ulrich nach dem Aufstand der Wiener 1462, wenige Tage nach geschlossenem Frieden, in W. Neustadt erschlagen gefunden wurde, wahrscheinlich von einem eifersüchtigen Ehemann umgebracht. Als seinen Fehler habe er selbst seine große Habsucht bezeichnet, was dann freilich mit Gossembrots Schilderungen nicht ganz übereinstimmt. Natürlich hat Ulrich Gossembrot in diesem Briefe alle Kunst seiner Stilistik aufgeboten, und wenn er auch keineswegs fehlerfrei ist, so zeugt er doch von eifrigen und nicht erfolglosen Studien. Er ist denn auch von Zeitgenossen unter die Vorbilder und Musterstücke aufgenommen; in dem Cod. LXXVI (7) der Bibliothek des Collegiatstifts in Zeitz findet er sich fol. 108 mit verschiedenen Schriften des Aenas Silvius u. a. Unmittelbar vorher geht eine Rede zur Feier der Wahl des „rex Centipolitanus“, eines Königs, der mir ganz unbekannt ist, und die kurze Rede gewährt auch keinen Aufschluß; sie scheint aber scherzhaft zu sein. Der Brief, welchen ich nun hier folgen lasse, ist leidlich correct geschrieben, nur das Datum (aus Rom) kann nach dem Inhalt unmöglich richtig sein. In Bezug auf e statt ae und ci statt ti bin ich aus Achtung vor der Schule des Guarinus von der mittelalterlichen Schreibung der Handschrift abgewichen; ebenso setzte ich nihil und mihi, wo die Orthographie derselben schwankend ist. * * * * * Clarissimo ac spectatissimo viro, domino Ulrico Riderer, doctori praestanti, Frederici Caesaris divi Augusti secretario ac oratori famosissimo, Udalricus Gossenbrot se humillime plurimumque commendat. Praexcellentium virtutum vestrarum, praestantissime domine, crebro et perjocundo rumore compulsus, perscribere hoc tempore ad vos statui: tametsi, colendissime domine, et temere et nimis confidenter me facere intelligam, qui ad vos, virum in summis dignitatibus constitutum, perscribere audeam. Duo tamen in mentem mihi venerunt, quae me in hoc scribendi instituto vehementer confirmant. Primum vestra apud[248] omnes cognita pietas singularisque humanitas. Alterum, quod saepenumero[249] audivissem, in Patavina potissimum universitate, ab his multa praeclara, quibus tota vestra vita perfecta[250] erat, dum invictus Caesar versus Urbem proficisceretur ad dyadematis assumptionem: qui cum vestram prudentiam in consiliis, virtutem et integritatem in administrandis rebus extollerent, non potui temperare mihi, quo minus hoc tempore ad vos litteras darem, quibus sane meam in vos observantiam atque omnem meam rationem declararem. Itaque vestram inprimis excellentiam obsecro, rogo atque hortor precibus, ut hanc meam epistolam aequo benivoloque animo perlegere velitis. Fateor enim eam non esse fulcitam ornatamque quem ad modum oporteret, tum propter dignitatis vestrae fastigium, tum propter singulare vestrum ingenium, omni virtutum genere fecundum. Nec ignoro eam ipsam praestantiae vestrae amplitudinem, non puerilem scribendi auctoritatem, sed quosque[251] maximos graves oratores promereri, neque balbutientis adhuc adolescentis epistolam poscere, ad quam accedendam ne quidem ulli facultatem dari censeo, nisi qui verborum splendorem sententiarumque gravitatem prae se ferat radiantem. Omnia haec non nescio. Vestra igitur tam late patens apud omnes humanitas mihi veniam dabit, si quid non satis expolitum ingenio aut elaboratum industria intelliget: quae non modo me firmat, sed provocat, sed impellit, sed vehementer cogit, ut etiam magna et hilari mente aggrediar, quod benignas vestras aures gratissime acceptaturas esse confido. Quod si id feceritis, perpetuo dumque mihi vita superstes erit, vobis me obnoxium[252] profitebor. Nec[253] immerito, cum meam epistolam legere dignatus fueritis, quem[254] jam dudum audivi in gravissimis reipublicae negotiis esse impeditum, atque hoc tempore distractum tantis domini curis ac occupationibus esse detentum, ut vix vobis interdum respirandi[255]. Quapropter, praestantissime domine, ut paucis me absolvam, ne nimia prolixitate aures vestrae taedio afficiantur: Nisi deum immortalem offendere vererer, multa profecto in horrendam, iniquam detestandamque fortunam inveherem, quae tam male de me institutisque[256] meis merita est, ob id, quod omnem mihi ad doctrinam et litteras aditum claudere decrevit, mihique quo minus possim[257] huc usque adeo dura aspera adversa extat et truculenta, ut nil reliquum praeter in eis[258] officium sit concessum, quod profecto semper in omni aetate abhorrendum esse existimavi. Non enim nobis solum nati sumus, ut inquit Tullius[259], verum etiam patriae, parentibus, amicis denique. Quam quidem sententiam cum usurpatam viderem a majoribus nostris, omnem et ego operam dare volui, ne meam aetatem sine aliquo praeclaro negotio volare permitterem. Nam evestigio postquam ex ephebis excessi, consilio paterno me ad altricem omnis sapientiae ac scientiae matrem Italiam contuli; ubi primum in Ferrariensi gymnasio philosophiae morali, id est humanitatis studio vacavi, omneque studium pro ingenii viribus ac rerum mearum parvitate in scolis Guarinianis consumpsi; deinde vero ad altiora volens transgredi, legum studiis in Patavina[260] universitate me tradidi. Verum cum nil sit perpetua felicitate subnixum, adversa valitudo et meis studiis semper contraria ad paternos praeteritis diebus lares me reverti compulit, ubi his temporibus in otiis vitam satis invitus ago. Non est mihi usui tam cito rursus Italiam petere, verum prius in aliquo loco laudabili vivere, donec aliquarum rerum experientiam ac amicorum copiam adipisci possem, ut cum postea[261] studiorum meorum metam pervenirem, quae haud longe aberit, non omnino incognitus apud meos essem, cum quibus nondum magnam habeo notitiam, propter octo ferme annos quos in studiis contrivi. Quid dicam de meis cogitationibus, quae variae sunt? Saepenumero quippe cogito, ne oleum et operam perdidisse videar, quibus studiis, quibus facultatibus, quibus tandem auxiliis aliquid viro dignum agere possem, omnibus omissis quae abjecti animi sunt, maxime cum praeter solam virtutem, quae usque ad extremos permanet rogos, omnia caduca atque imbecilla esse videantur[262]. Spes itaque mei prosectus non parum augetur, cum vestrae magnanimitatis mentem intueor, praestantissima gesta, eximiam famam, inexpugnabilem constantiam, summam denique in obeundis rebus industriam, quae quidem non satis admirari, non praedicare non possum. Quis enim per deum immortalem vestram magnificentiam et clarissimarum rerum amplitudinem pro maximis vestris[263] meritis satis copiose, satis digne recensere posset? Nemo sane: quae ita omnium ore celebrata et tam late promulgata sunt, ut cum vel minimas a vobis rerum gestarum portiones perstringere vellem, maxima quidem ac egregia facinora sese mihi offerrent. Nam quantum in[264] administrandis judiciis justitiae, quantum sapientiae semper exhibueritis, ex eo plane intelligi potest, quod in judicio nullo[265] juste quis vobis oblocutus est, a nemine merito appellatum est, nulla quaestio delata est. Hoc censores qui vulgo Sindici appellantur, melius longe quam ego, qui fama contentus sum, intelligunt: apud quos cum de repetendis, de judicatis, de ceteris provocatur, nulla de vobis proclamatio, sed ne quidem verbum auditum est, quod ad vestram dominationem honestandam proditum non fuerit. Quae cum ita sint, versare animo et cogitare mecum soleo, vosne plus laudis et gloriae imperatoriae majestati, an inclitus ipse imperator vobis decoris ac nominis addiderit. Tanta praeterea in omni vita constantia praeditus fuistis et gravitate, ut nihil amori, nihil affectibus tribueritis, ita ut vos non modo praesulem, verum etiam parentem et tutorem omnis generis, gradus, omnis sexus homines senserint. Cui quidem rei testimonio sunt non solum privatorum hominum, verum etiam principum causae, quas semper tanto favore complexus fuistis, ut merito eorum pater ac patronus (haud injuria) appellandus sitis. Quid dicam in his rebus consulendis, quas serenissimo imperatori commodas ac honestas intellexeritis: in quibus, ut fama volitat, animum tanquam arcum intentum habuistis. Quae cum ita sint, eos beatos fortunatosque non minus existimo, quibus vestrae prudentiae lateri nonnunquam astare concessum est, quam[266] nuper de Salomonis domesticis me Sibillae sententiam legisse recordor. Quapropter magno ingentique desiderio affectus cuperem ac optarem, vestrae dominationi servire et totis cum viribus famulandi munus peragere, ut hinc ob assiduum exercitium nonnullarum rerum experientiam consequerer. Quod si itaque mihi ad eam rem peragendam facultas oblata fuerit, me semper in aevum deditissimum et in omni re adeunda promptissimum vestra praestantia sentiet, habeboque vestrae dominationi gratias, non quas debeo, sed quas possum, agamque quoad vivam pro non mediocri vestra erga totam nostram familiam humanitate et benignitate, qua omnes docti et boni foventur et amplectuntur; deum vero ut dignas referre dignetur summopere precor. Fortassis, domine colendissime, qua gratia haec omnia vobis explicaverim, requirere possetis. Cui quam facile possum respondere. Audivi namque a pluribus saepenumero, cum quibus est mihi frequens et jocunda consuetudo, vos virum doctissimum atque omni litterarum genere praestantem et admodum cultum, quibus ego non sum prorsus alienus, hoc est humanitatis. Sed quod pluris censeo existimandum, ajunt et praedicant vos summa humanitate praeditum esse, et ad variarum rerum scientiam vos et virtutis et probitatis studia conjunxisse, neque minorem vos laudem et gloriam ex ejus cultu quam ex litteris reportare: quae res quamprimum me ad meam erga vos observantiam compulit et ad summum amorem excitavit. Neque enim vos fugit, virtutem[267] esse tanti, ut nos etiam ad illorum[268], quos numquam vidimus, benivolentiam compellat: quo fit ut nisi vestrum praeclarissimum in doctos homines ingenium cognovissem, meam ne utique vobis declarassem rationem. His accedit praeclara quaedam naturae vestrae condicio, cui ingratus ipse viderer, si ab ipso meo instituto ac proposito revocari me contigisset, cum hoc inprimis habeant qui[269] vobis eorum in vos observantiam et devotionem apertam et significatam volunt[270] videri, ut ab incredibili prorsus atque spectata vestra benignitate ita amentur, favore prosequantur[271], et denique officiis afficiantur, ut prius quam affectum conceperint, rem ipsam consequantur, quam vix sperare aut meditari licuisset. Accedit etiam id quod ego uberrimum ac prope maximum virtutis alimentum puto, ut quos litterarum praestantia aut ingenio aliquo singulari ornatos esse sciatis, his vobis[272] atque aliis rebus devinciatis, quae vel ad eorum[273] perpetuam amplitudinem pertinent et dignitatem. Quare cum hoc vestrum optimarum artium et virtutis indicium intueor, non mediocris culpae reus mihi videbor, si quo praesertim animo, qua devotione, quam mirifico ingenii ardore ac studio vos prosequar, non declarassem. Quod etsi saepenumero perficere statuissem, cupiebamque aliquid ad vos mearum dare litterarum, quo mea in vos observantia ac voluntas notior fieret, nulla in hunc usque diem se occasio tulit, qua daretur scribendi oportuna facultas. Ceterum non parum hoc tempore fretus sum ad vos scribere, praesertim cum saepissime intellexerim, vos vehementissimo amore affectum fuisse erga Hawgener[274], socerum quondam patrui mei, eumque summa semper humanitate ac pietate a vobis prosecutum fuisse, ut nullo unquam tempore et posteri sui et nos omnes e numero suorum amicorum oblivioni tradere velimus. Neque immerito; semper enim eum unice et ex animo non diligi, verum etiam amari sensimus, consiliaque optima ab intimo vestro pectore et fidelissimo emanasse haud ignoramus. Deinde vero generi sui filium eadem benivolentia voluistis affici, qui paulo ante e vita decessit. Cujus sane obitum licet moleste graviterque tulerim, propterea quod ferme ejusdem aetatis eramus et in teneris annis una educati nutritique, tamen siccatis tandem oculis, suspiriisque repressis, virilem revocavi animum, in memoriamque mihi venit, haud sapientis esse mortuum lugere mortalem: sic nec labi flumina, nec solem occidere, nec diei noctem succedere, quisquam vel mediocri praeditus prudentia dolet. Sunt enim naturae munera, cui repugnare stultum judicatur, cum sit more gigantum[275], ut ait Cicero, cum diis bellare. Quid multa? deus dedit, deus abstulit. Cum itaque, egregie domine, non ignota nobis omnibus sit incredibilis vestra humanitas et mansuetudo, qua[276] superiores nostros nostramque familiam amplexus fuistis, sicuti jam saepe vidimus ac experti sumus, non solum vobis gratias agere decet, verum etiam referre, ne ingratitudinis vitium nobis asscribatur. Sed revera hoc tempore ad referendam gratiam nihil nobis suppeditatur praeter bonam voluntatem; totam tamen familiam omnibus in rebus, tum minimis tum maximis, obsequentissimam semper comperietis, nominisque vestri ac famae non modo tutricem, verum etiam quoad licebit amplificatricem. Sed quid tutricem[277] dixi? cum ad tam praestantissimum gloriae fastigium nominis vestri fama devenerit, ut laudibus plenum (ut poetae ajunt) existat. Quae enim ora? quae sedes? quis locus? in quo non existant[278] integritatis vestrae, tum doctrinae tum nominis gloria impressa vestigia. Testimonio sese mihi offert Ferrariensis civitas ac Paduae illud florentissimum Ausoniae gymnasium, tum alia loca famosissima, in quibus multi nobiles viri hodierna die se vestris beneficiis perpetuo devinctos esse profitentur. Sentio, observandissime domine, in recensendis laudibus vestris me tanta voluptate affici[279], ut scribendi studio longius quam proposuerim evehar[280]. Proinde calamum reprimo, ne assentandi gratia putetis me illa recensere. Et sane non dubito, ea potissimum vos vigere humanitate, qua meam non modo patienter sed benigne quidem sitis[281] epistolam, qualiscunque sit, lecturus: ut postquam coram vivas depromere voces non dabatur[282], absens me vobis per litteras deditum et devotum esse cognosceretis; tametsi conantem me hactenus ad vos perscribere tum condicionis vestrae celsitudo, tum facundiae vestrae dignitas, qua ferme in hac aetate in imperiali aula principatum obtinetis, crebre paventem exanimassent, nisi incredibili vestra humanitate confisus fuissem. Itaque gratulor non mediocriter Frederico Caesari divo Augusto, tum etiam Germanicae nostrae nationi, Serenitatisque suae judicium divinis laudibus effero, qui vos tantum, talem, omnique laude cumulatum virum aulae asscriberet. Cujus imperium omnipotens deus secunda sub fortuna ac longissimo tempore ut conservet, orans supplex palmas ad sidera tendo. Valete itaque feliciter, totius curiae splendor, decus et ornamentum, et ut memor mei esse velitis et commendatum habere vehementer rogo, quod certe ut faciatis, vos rerum mearum parvitas horumque temporum[283], consuetudinis vestrae ratio hortatur atque admonet. [Ex alma Roma.] * * * * * Wir lassen hier die oben, Sp. 198 angeführte Rede folgen, welche sich auf eine Festfeier, vielleicht unter Studenten, zu beziehen scheint. Oracio. Cogitanti michi sepenumero ac memoria vetera repetenti, Viri prestabiles ornatissimique, quod parens ille rerum mundique fabricator deus in terris[284] omnia gubernat, non ab re hac tempestate firmiter credere debemus, ex divina sua clemencia Serenissimum dominum nostrum regem Centipolitanum superioribus diebus per electionem regnum adeptum esse. Quo profecto jam dudum dignissimus fuerat ob sue prosapie decus et majorum decantata fastigia, in quibus religio, prudencia multimoda, clemencia, sobrietas, pacis componende profugium maxime vigebant. Quapropter, sapientissimi viri, Rex hic noster majores suos ante oculos suos ponere solet. Evestigio enim cum regnum suum ingressus esset, in soliumque regale magnifice collocatus, nonnullos viros fetore squaloreque obsitos claros nitidosque reddere curavit, ea potissimum de causa, ut deinceps aliis cum hominibus bene, honeste laudabiliterque vivere possent, et ut conversacione familiaritateque aliorum digni judicarentur. Quanta insuper nobilitate, clemencia ac cesarea quadam miseracione Rex hic noster polleat, neminem latet. Quis enim, excelentissimi viri, ignorat Francorum decus, nitorem, gloriam, annis jam millenis per totum terrarum orbem effloruisse, tantisque belli ac pacis artibus instructos emicuisse viros principes insignes, marchiones illustrissimos, ut si res eorum gestas enarrare voluerim, singuli volumen inmensum exposcerent. Ergo eos ob temporis angustiam Regisque nostri hic innumerabiles animi dotes silencio involvam, quia ut ad curiam me paucis convertam, tempus expostulat: in qua peritissimos sapientissimosque viros habet, in quos Allexandrinam munificenciam Cesareamque liberalitatem exercet, ut nullum genus hominum sub tam benigno principe tamque munifico donatore egere posse credatur. Nonne sicut in verbis pondus et ex lingua melle dulcior fluit oracio, sic in fronte, oculis, vultu, singularis hilaritas efflorescit? ut in facie rose, lilia, et postremo Gracie ipse inhabitare videantur, et humani generis delicie merito vocari posset: Ut de Tito Flavio cesare Romanorum scribitur, cujus celebrandum illud extat dictum „Non oportere quenquam a sermone principis tristem discedere.“ Adest hic consilio, benivolencia, fide, humanitate nobis rex, nobis pater, nobis dominus, nobis gubernator, majorum suorum representaturus excellenciam. Facit ergo, ut omni detersa tristicia pre gaudio clamare liceat. „Benedictus qui venit in nomine domini! Vivat rex Centipolitanus! Vive in eternum!“ /Berlin./ /W. Wattenbach./ FUSSNOTEN: [248: fehlt in der Hs.] [249: cum sepen. Hs.] [250: ob perfecte cognita?] [251: quousque Hs.] [252: obnixius Hs.] [253: Nunc Hs.] [254: que Hs.] [255: Hier müssen einige Worte ausgefallen sein.] [256: que fehlt.] [257: Hier fehlt vermuthlich etwas.] [258: Offenbar fehlerhaft.] [259: am Rande eine Hand.] [260: Patauiana Hs.] [261: ad ist vielleicht ausgefallen.] [262: Diese Stelle ist wieder am Rande ausgezeichnet.] [263: nostris Hs.] [264: q. michi in Hs.] [265: ullo Hs.] [266: quam cum Hs.] [267: virtutum Hs.] [268: radillorum Hs.] [269: quid Hs.] [270: voluit Hs.] [271: perseq. Hs.] [272: nobis Hs.] [273: earum Hs.] [274: vielleicht statt Hangenor, eine bekannte Augsburger Familie.] [275: gigantem Hs. Bei Cicero de senect. c. 2 steht: Quid enim est aliud, gigantum modo bellare cum diis, nisi naturae repugnare?] [276: quia Hs.] [277: nutricem Hs.] [278: existent Hs.] [279: offerri Hs.] [280: evehare Hs.] [281: satis Hs.] [282: dabantur Hs.] [283: Hier scheint ein Wort zu fehlen.] [284: interr. Hs.] Zur Geschichte der Hausmarken. Durch Homeyer’s Forschungen über die Hausmarken ist die auch für die Kunstgeschichte interessante Frage gründlich und erschöpfend erörtert worden, und es wird jetzt wol keinem mehr einfallen, ohne besonderen Anlaß jene Monogramme für Steinmetzzeichen zu erklären. Für die Verbreitung des Gebrauches der Hausmarke zeugen auch folgende Notizen, die ich Breslauer Stadtbüchern entnehme: 1428, Montag nach Oculi wird ein Beutel gefunden und abgeliefert, der mit grünem Wachse und dem /Gemerke/ [*Symbol] (das Zeichen Anzeiger 1871, Sp. 15 ist unrichtig) versiegelt ist; (Liber excessuum). 1527, Jan. 13. werden sechzehn Häringstonnen mit dem /Gemerk/ [*Symbol] erwähnt; (Protoc.) 1527, Jan. 18. vier Tonnen Hechte mit dem Zeichen [*Symbol]; zwei andere gezeichnet [*Symbol]; ferner zwei mit der Signatur [*Symbol] (ebendas.). 1527, Nov. 21. eine Tonne Hechte mit dem Zeichen [*Symbol], die andere mit [*Symbol] (ebendas.). 1544, Jan. 23. ein Faß mit der Nummer 36 und dem Zeichen [*Symbol] (Schöppenb.). 1545, Sept. 16. ein Ochse mit dem Brandzeichen [*Symbol] (ebendas.). 1600, Sept. 2. Elisabeth, Wittwe des Bürgers Niclas Kreutzmann, vermacht testamentarisch ihren Kindern Wäsche und bemerkt, daß die ihres Sohnes Niclas mit dem Zeichen N [*Symbol] C gezeichnet sei, die dem Hans gehörige H [*Symbol] C, die des Daniel endlich D [*Symbol] C. Das Testament wurde 1605, April 13. eröffnet; (Lib. testam.). /Breslau./ /Alwin Schultz./ Geschliffene Glaspokale im germanischen Museum. Nachdem wir unsere Leser wiederholt in die Sammlung der Trinkgläser des Museums geführt, laden wir sie auch heute ein, uns dahin zu folgen, indem wir sie auf eine große Anzahl von Gläsern aufmerksam machen, welche in Deutschland, nachdem mit dem 17. Jahrh. auch dort die Kunst, kristallhelles Glas herzustellen, eingeführt war, gefertigt sind. Den Venetianer Gläsern in Einzelheiten nachgebildet, sind diese, meist dem